Monrovia - Ein vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Sierra Leone gesuchter hochrangiger Rebellenführer ist tot. Der Informationsminister des Nachbarlands Liberia, Reginald Goodridge, gab am Mittwoch in Monrovia bekannt, der flüchtige Sam Bockarie sei erschossen worden, als er am Vortag versuchte, nach Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) zu gelangen. Der Guerillakämpfer wurde für zahlreiche Gräueltaten während des zehn Jahre währenden Konflikts in Sierra Leone verantwortlich gemacht. Bockarie hatte Unterschlupf in Liberia gefunden. Von dort soll er in den vergangenen Monaten Rebellen im angrenzenden Konfliktland Cote d'Ivoire unterstützt haben.

13.000 UNO-Soldaten stationiert

Bockaries Rebellen der "Revolutionären Vereinigten Front" (RUF) verstümmelten während des Krieges Tausende Zivilisten auf grausamste Art und Weise. In dem Konflikt mit der Regierungsarmee von Präsident Ahmed Tejan Kabbah kamen rund 50.000 Menschen ums Leben. Ein UNO-Tribunal ist seit Kriegsende vor einem Jahr mit der Aufklärung der Kriegsverbrechen betraut.

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone hatte 1992 begonnen, war aber wesentlich verschärft worden, nachdem die RUF 1997 Präsident Ahmed Tejan Kabbah gestürzt hatte. Mehr als ein Viertel der 4,2 Millionen Bewohner des Landes wurden durch die Kämpfe aus ihren Dörfern vertrieben. Nach einer Intervention britischer Truppen hatten die Kämpfer der RUF, die im Lande für ihre Brutalität bekannt waren, die Waffen niedergelegt. Unmittelbar darauf war unter Mitwirkung der Vereinten Nationen der Gerichtshof gegründet worden, um die Verbrechen zu untersuchen. In Sierra Leone wurden insgesamt 13.000 UNO-Soldaten stationiert.(APA)