Klagenfurt - In der Klagenfurter ÖVP ist der Machtkampf zwischen den Klagenfurter "Erneuerern" und der "Altherrenpartie", den seit Jahrzehnten im Amt befindlichen Stadträten Dieter Jandl und Walter Zwick, nun voll entbrannt. Vor allem auf Jandl haben sich die Klagenfurter "VP- Rebellen" eingeschossen.

Die erste Revolte konnte Jandl noch abwehren, jetzt steht er neuerlich im Mittelpunkt einer heftigen Privilegiendebatte. Seine Kritiker werfen ihm nicht nur vor, neben seinem Stadtratsgehalt eine Lehrerpension bezogen zu haben, sondern behaupten auch, er habe sich diese mit einem "zinsenlosen Darlehen" von der Stadt "erkauft".

Und das soll so gelaufen sein: Weil die Lehrerkarenz für den Politiker Jandl 1997 nicht mehr verlängert wurde, habe er sich für die rechtlich einwandfreie, jedoch politisch umstrittene Regelung entschieden, dem Landesschulrat als Ersatz für seine Arbeitskraft den Betrag von rund 520.000 Schilling für einen Junglehrer zu erstatten. Diesen Betrag habe die Stadt überwiesen und dann monatlich von Jandls Stadtratsgehalt abgezogen.

Jandl weist im Standard-Gespräch diese Darstellung vehement zurück: "Zuerst wurde mir das Geld abgezogen und erst dann hat die Stadt den Betrag überwiesen." Das betätigt auch der Leiter der Personalabteilung im Klagenfurter Magistrat, Thomas Vallent. Seine Lehrerpension will Jandl jetzt für soziale Zwecke spenden.

Und noch ein weiterer Vorwurf gegen ihn wurde laut. Der wohlbestallte Stadtrat und Hausbesitzer Dieter Jandl bewohne seit 1966 auch eine 78 Quadratmeter große Gemeindewohnung. Für Jandl ist klar, dass hier seine "Parteifreunde" die Hände mit im Spiel haben: "Da scheinen Kräfte am Werk, die aus der eigenen Partei kommen."

Ihr Visier lüften wollen die Jandl-Gegner, die sich als treue Gefolgsleute von VP- Bürgermeister Harald Scheucher sehen, noch nicht, aber sie drohen ganz offen: "Die politische Optik ist verheerend. Wenn Jandl jetzt nicht geht, werden wir eine Bürgerplattform bilden und der Stadtpartei eben von außen die Themen aufzwingen."

Die Stadtpartei und vor allem Bürgermeister Scheucher müssten vor weiterem politischen Schaden durch Jandl bewahrt werden. Auch in der Landespartei werden die Vorgänge in Klagenfurt im Hinblick auf mögliche vorgezogene Landtagswahlen mit wachsendem Unmut verfolgt.

Nachfolger gesucht

In Klagenfurt werden unterdessen bereits mögliche Nachfolger für Jandl und Zwick ventiliert: VP-Mann Peter Steinkellner soll neuer Stadtparteiobmann werden, Horst Krainz ist als neuer Finanzreferent im Gespräch.

Steinkellner will sich zwar nicht im Privilegienstreit um Jandl deklarieren, kann sich aber durchaus vorstellen, den Klagenfurter Parteivorsitz zu übernehmen: "Grundsätzlich ist das denkbar."

Noch kann Jandl in den Gremien auf eine satte Mehrheit bauen. Doch seine Anhänger werden täglich weniger. (DER STANDARD, Print-ausgabe, 8.5.2003)