Feuerwehrleute bergen den Leichnam der Pflegerin aus der Ager. Selbstmord? Mord? Auch drei Jahre später wirft der Tod der 29-jährigen Slowakin noch Fragen auf

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Denisa S. wurde zuletzt am 19. Jänner 2008 gesehen: in Unterwäsche durch Vöcklabruck irrend

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Linz - Anfang November bekam der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rabl den Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels, ein erneutes - und somit viertes - Gutachten im Fall der slowakischen Pflegerin Denisa S. zu erstellen. Klären sollte der Tiroler Experte, ob beim Tod der Pflegerin tatsächlich Fremdverschulden vorliegt. Doch dieser Tage bekam die Staatsanwaltschaft Wels Post aus Innsbruck. Nicht das erhoffte Gutachten, sondern die schriftliche Bitte Rabls, fehlende Details im Akt nachzureichen.

"Viele offene Fragen"

"Mit den übermittelten Unterlagen ist es mir nicht möglich, ein seriöses Gutachten zu erstellen", erklärt Rabl im Gespräch mit dem Standard. Zu evaluieren hat der Gerichtsmediziner den slowakischen Obduktionsbericht vom 7. Februar 2008, die gerichtsmedizinische Expertise seines Linzer Kollegen Johann Haberl vom Februar 2010 sowieso ein Gutachten des Wiener Pharmakologen Michael Freissmuth vom Juni 2010. Probleme bereitet Rabl aber vor allem der slowakische Obduktionsbericht: "Insbesondere was die toxikologischen Befunde betrifft, gibt es von meiner Seite noch viele offene Fragen. Vor allem benötige ich Details, welche Untersuchungsmethoden die slowakischen Kollegen angewandt haben." Darüberhinaus seien "diverse Kopien im Akt nur mangelhaft oder gar nicht gekennzeichnet".

"Selbstmord nicht plausibel" 

Insbesondere der toxikologische Befund ist im Fall von Denisa S., deren Leichnam am 29. Jänner 2008 in der Ager gefunden wurde, von großer Bedeutung. Zuletzt zerpflückte nämlich der Wiener Pharmakologe Michael Freissmuth in einem dem Standard vorliegenden Gutachten die von der Polizei angenommene Selbstmordtheorie. Vielmehr sieht Freissmuth Hinweise auf einen heimtückischen Giftmord. Der Pharmakologe hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels die in der Leiche von Denisa S. festgestellten Konzentrationen eines blutzuckersenkenden Medikamentes (Wirkstoff: Glibornurid) und eines Mittels gegen Gicht (Wirkstoff: Sulfinpyrazon) analysiert. Und kommt in seiner Expertise zu einem eindeutigen Schluss: Die Arzneien, die seit dem Jahr 2006 sowohl in Österreich als auch in der Slowakei nicht mehr erhältlich sind, hätten unmöglich ärztlich verordnet gewesen sein können. Vor allem die gemeinsame Einnahme der Stoffe sei therapeutisch verboten, da das Gichtmittel die Unterzuckerung weiter verstärken würde. 

Slowakisches Gutachten fragwürdig

"Die Selbstmordtheorie ist nicht plausibel", heißt es in der Expertise. Was sich für Walter Rabl aus den Unterlagen aber so nicht ableiten lässt: "Der Kollege ist von den Angaben im slowakischen Gutachten ausgegangen. Ich muss weiter zurückgehen und genau diese Angaben aus der Slowakei überprüfen."

Die 29-jährige Akademikerin war in Vöcklabruck im Haushalt eines Primars als Pflegerin beschäftigt. Am 19. Jänner verschwindet Denisa S. spurlos, zehn Tage später wird ihre Leiche im Fluss entdeckt. Der Amtsarzt geht von einem Selbstmord aus und gibt den Leichnam noch am Fundtag ohne Obduktion zur Beerdigung frei. Bei einer Obduktion in der Slowakei stellen Gerichtsmediziner dann fest, dass die Tote mehrere blaue Flecken aufweist, sich Medikamente im Blut befinden und ein Fremdverschulden am Tod nicht auszuschließen ist. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 30.12.2010)

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