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Wirtschaftswachstum und Zufriedenheit der Bürger und Bürgerinnen müssen nicht unbedingt korrelieren, wie man auch vielen Diskussionen in den Foren dieses Mediums mit schöner Regelmäßigkeit entnehmen kann.

Foto: AP/Perrey

Rom - Italien will das Monopol des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Fortschrittsbarometer brechen und künftig neben dem Wirtschaftswachstum auch das Wohlergehen seiner Bevölkerung regelmäßig messen. Das Statistikamt Istat wird bis Ende 2011 ein neues Fortschrittsbarometer einführen, das auch die Umwelt- und Lebensqualität einbezieht. "Der Fortschritt einer Gesellschaft kann nicht nur mit monetären Kriterien gemessen werden", sagte der Chef der italienischen Statistikbehörde Istat, Enrico Giovannini.

Hatte das BIP bisher die Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften gemessen, so halten viele Ökonomen diese Kennziffer mittlerweile für überholt. In Italien soll der neue Fortschrittsindex mehrere neue Faktoren berücksichtigen, darunter die Gesundheit der Bürger, ihre Bildung, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre Anteilnahme an der Gesellschaft. Weitere Faktoren, die bei der Messung des Wohlstands in Italien zur Geltung kommen sollen, sind die Sicherheit der Bürger, soziale Gerechtigkeit, Freizeit- oder Wohnangebote und die Lebenserwartung der Bevölkerung. Im Laufe des kommenden Jahres soll eine Arbeitsgruppe die Grundlagen für den neuen Index legen.

Das BIP stammt aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. In dieser Zeit der Großen Depression wurde jeder Produktionsvorgang als wohlstandserhöhend empfunden. Doch seit den 1970er Jahren haben Ökonomen gravierende Mängel an dem Modell festgestellt. Globalisierungskritische Organisationen unterstützen das Konzept. Zwar werden das BIP und die dreimonatlichen Wachstums- oder Rezessionszahlen des Statistischen Bundesamts noch lange bestehen, glauben die Ökonomen. Aber sein Monopol werde zugunsten neuer Faktoren fallen. Die EU startete in diesem Jahr ein Pilotprojekt für ein Fortschrittsbarometer. (APA)