Es gibt zu Tarkans Hit "Simarik" ein Video fürs türkische Publikum und zwei fürs europäische/amerikanische. Forscher Kaindl untersucht in seiner Arbeit die durch den kulturellen Transfer stattfindenden Verschiebungen in den Geschlechterrepräsentationen.

Foto: Videostill "Simarik" Youtube

Die interdisziplinäre Vortragsreihe "Kunst-Forschung-Geschlecht" an der Universität für Angewandte Kunst hat sich für das Studienjahr 2010/11 das Thema "Gender in der Populärkultur - interkulturelle Perspektiven" gewählt. Der erste Vortrag im neuen Jahr wird von Klaus Kaindl, Ao. Univ.-Prof. am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien, bestritten.

Studien zur Konstruktion von Genderaspekten in Musikvideos konzentrieren sich in der Regel auf kritische Analysen von dargestellten Geschlechterverhältnissen, visuellen Geschlechterhierarchisierungen und Rollenstereotypen. Kaindls Arbeit mit dem Titel "Vom verwöhnten Mädchen zur küssenden Sexbombe: Geschlechter(de)konstruktionen in Videoclips" dagegen stellt die Veränderung von Geschlechteridentitäten im Zuge des kulturellen Transfers in den Mittelpunkt. Dabei wird zunächst der Begriff der Übersetzung über die traditionelle sprachliche Dimension hinaus erweitert und als Transfer von (Geschlechter-)Diskursen definiert.

Die Transfermechanismen werden danach anhand der Videos zu dem Hit "Simarik" des türkischen Sängers Tarkan untersucht. Nach einem Video für das türkische Publikum wurde mit dem Sänger ein weiteres Video zu dem Song für den europäischen Markt produziert. Danach wurde eine englische Version mit zwei unterschiedlichen Videos produziert - gesungen von Stella Soleil und Holly Valance. Die dabei stattfindenden Verschiebungen in den Geschlechterrepräsentationen, die durch sprachliche, musikalische und visuelle Codes geschaffen werden, können letztlich nur im allgemeinen diskursiven Kontext einer Gesellschaft und Kultur und vor dem Hintergrund einer lokal und global agierenden Musikindustrie entschlüsselt werden. (red)