Belgrad - Führende ehemalige Mitglieder der serbischen Geheimpolizei dürften bald an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert werden. Für die Auslieferung des ehemaligen Chefs des serbischen Staatssicherheitsdienstes, Jovica Stanisic, und dessen Stellvertreter Franko Simatovic gebe es keine Hindernisse mehr, berichteten Belgrader Medien heute, Freitag. Beide sind gestern von einem Ermittlungsrichter des Belgrader Kreisgerichtes angehört worden.

Die Tageszeitung "Blic" berichtete am Freitag, dass Simatovic dem Ermittlungsrichter erklärt habe, die Zuständigkeit des UNO-Tribunals voll anzuerkennen. Auch soll er in den vergangenen Jahren mehrere Kontakte mit den Tribunalsermittlern gehabt haben. Stanisic andererseits soll laut Medienberichten unzufrieden sein, weil er sich nicht freiwillig dem UNO-Tribunal stellen konnte, nachdem er nach der Ermordung von Regierungschef Zoran Djindjic festgenommen wurde.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verstöße gegen Kriegsgepflogenheiten

"Blic" berichtete, dass Stanisic an Krebs erkrankt sei. Sein Anwalt Nenad Vukasovic erklärte, dass der Ex-Geheimdienstchef ständige ärztliche Behandlung benötige. Zunächst gibt es aber keine Anzeichen, dass die Überstellung von Stanisic an das Haager Tribunal wegen der Erkrankung in Frage gestellt wird.

Stanisic und Simatovic sind der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verstöße gegen Kriegsgepflogenheiten angeklagt worden. Die Anklage gegen die zwei Geheimpolizisten wurde am 1. Mai erhoben und vergangenen Montag veröffentlicht. Unter der Kontrolle des serbischen Staatssicherheitsdienstes sollen laut der Anklage in den frühen neunziger Jahre etliche Serbenmilizen, die in Kroatien und Bosnien-Herzegowina aktiv waren, sowie die Polizei der selbst proklamierten Republik Serbische Krajina (Kroatien) gebildet werden. (APA)