Ramallah/Jerusalem - Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat nach israelischer Darstellung in den vergangenen Tagen "Dutzende Freunde und Vertraute" in öffentliche Ämter befördert, obwohl diese Ernennungen nach den jüngsten Grundgesetzänderungen in die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen) fielen. Insgesamt habe Arafat seit der Bildung der neuen Regierung 58 persönliche Freunde und zuverlässige Weggefährten mit gut bezahlten Spitzenämtern betraut, berichtete am Freitag die israelische Nachrichtenagentur ITIM.

Abbas, der gleichzeitig Innenminister ist, hatte seinerseits im Widerspruch zu den bei der Regierungsbildung getroffenen Vereinbarungen mit Arafat seine Ressortkompetenzen zur Gänze dem Staatsminister für Sicherheitsfragen, Mohammed Dahlan, übertragen. Arafat hatte sich im April der Ernennung von Dahlan zum Innenminister widersetzt. Die meisten seiner Vertrauten, die durch die Regierungsbildung ihre Ämter verloren hätten, brachte Arafat laut ITIM im Innenministerium unter, das 22.000 Angestellte hat. Zahlreiche Vertraute ernannte Arafat zu "Beratern", die aus dem Präsidentenbudget in Höhe von umgerechnet etwa 45 Millionen Euro bezahlt werden.

Ziel Arafats, der auch den Vorsitz eines neu gebildeten "Nationalen Sicherheitsrates" übernommen hat, sei es, ein Gegengewicht gegen Dahlan zu schaffen. Als Chef des "Nationalen Sicherheitsrats" habe Arafat die Kontrolle über insgesamt drei Sicherheitstruppen mit mehr als 20.000 bewaffneten Männern. Außerdem unterstehe ihm der wichtigste palästinensische Geheimdienst im Westjordanland. (APA/dpa)