Der erste Eindruck ist ein positiver, der zweite auch. Aber eines bliebt unangenehm drüber stehen: Alfa hin oder Romeo her, dass der erste Gang so schwer reingeht, ist störend. Natürlich findet man mit der Zeit einen Weg, wie man sich an dieser Hürde vorbeischwindelt, aber das ist eigentlich nicht zumutbar. Dass der italienische Konzern diesen Mangel so stehen lässt, ist nicht nachvollziehbar.

Foto: Christian Fischer

Haken wir diesen Mangel ab. Es gibt viel Positives zu berichten. Erstens die Formensprache: fröhlich und mutig, ungewöhnlich, abweichend von der uniformen Kastensprache der Konkurrenz. Die Giulietta ist auf den ersten Blick anders. Ein kecker Hintern, fraglos. Ein bisschen provokant, italienisch herausfordernd. Vielleicht schließt die Giulietta nicht ganz an den Glanz früherer, unbeschwerter Zeiten an, aber sie ist schon sehr forsch und fesch.

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Zweitens das Fahrwerk: am Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Die Giulietta wirkt fast fragil. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase lernt man aber das agile und sportliche Fahrwerk schätzen. Es ist straff und gut zu handlen, im Grunde sehr sportlich, aber nicht unangenehm hart. Man darf sich ruhig was trauen und die Kurven kürzer und schroffer ansteuern.

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Drittens die Motorisierung: Der 1,4 Liter Benziner mit 170 PS ist gut aufgestellt, aber weit davon entfernt, eine Rakete zu sein. Wenn man will und den Motor entsprechend hernimmt, geht er auch gut

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Bedingungslos sportlich ist er nicht, letztendlich ist die Motorisierung ein Kompromiss. Mit den Ansprüchen und Bedürfnissen des Alltags. Mit einem Tastendruck lässt sich auch die Motorelektronik variieren, aber auch die Lenkung härter oder weicher einstellen und das elektronische Sperrdifferential an der Vorderachse verändern. Je nach Bedürfnis gibt es Handlichkeit, Sportlichkeit und Komfort in unterschiedlichen Dosen. Vom Gewicht her ist die Giulietta doch leichter als Golf oder Astra.

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Die Multiair genannte Technologie ist tatsächlich innovativ und auch mehrfach mit Auszeichnungen bedacht, da darf sich Fiat ruhig eine Feder an den Hut stecken: Mithilfe einer variablen Ventilsteuerung holten die Ingenieure aus dem an sich kleinen 1,4-Liter-Benziner (mit Turbolader) anständige 170 PS und bis zu 250 Newtonmeter Drehmoment heraus. Die Leistung ist gestiegen, der Verbrauch gesunken, also Gratulation. Wer den Wagen allerdings fordert und entsprechend sportlich fährt, wird auch mit einem Verbrauch konfrontiert, der deutlich über der Papierform liegt.

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Der Innenraum ist neutral gehalten, hinten ist erträglich Platz, sicher mehr als im 1er BMW. Der Preis ist okay, allerdings kein Kampfpreis, da geht schon Audi und BMW, und selbst bei VW und Opel bekommt man doch eine recht anständige und verlässliche Qualität geliefert. Und vor allem geht überall anders problemlos die Erste rein, wenn das noch angemerkt sein darf, ohne dass Alfa und Romeo beleidigt sind. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/21.1.2011)

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