Wien - Die Auftragsvergabe für die Evaluierung der Forschungsfonds FFF und FWF treibt ungewöhnliche Blüten. Wie DER STANDARD aus gut informierten Kreisen erfuhr, legt das Infrastrukturministerium (BMVIT) dem bestgereihten Konsortium aus Technopolis (London), Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), Joanneum Research, ETH Zürich und der Universität Twente (Niederlande) ein enges Korsett an.

Für Empörung sorgt in der Forschungsszene die Vorgabe, wonach die Evaluierung keine Empfehlungen zur Folge haben dürfe, die den Prüfergebnissen des Rechnungshofs widersprechen. Damit soll offenbar sichergestellt werden, dass die von Exinfrastrukturminister Mathias Reichhold beim Rechnungshof (RH) bestellte Gebarungs- und Organisationsprüfung nicht konterkariert wird. Da Bildungs- und Infrastrukturministerium bereits während der RH-Prüfung den Wunsch äußerten, die beiden völlig unterschiedlich arbeitenden Fonds (FFF für wirtschaftsnahe Forschung, FWF für Universitäten und Akademie der Wissenschaften, Anm.) sollten fusioniert werden, befürchten Insider, dass das internationale Konsortium sehr eingeengt wird. Hinzu komme, dass der RH methodisch gar nicht in der Lage sei, Organisation und Wirkung der Instrumente zu prüfen.

Gerhard Kratky vom BMVIT hält diese Vorwürfe für übertrieben. Die Nachverhandlungen mit dem Technopolis-Konsortium seien "völlig harmlos", es gehe um "übliche Nachjustierungen" bei Umfang und Inhalt. Um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, sollten Technopolis & Co primär Benchmarking und Wirkungsanalyse prüfen, denn die Gebarungsprüfung der Bundesmittel habe der RH bereits untersucht, erklärte Kratky das Vorgehen.

Deutlich reduziert hat sich indes das Auftragsvolumen, es schrumpfte von ursprünglich 500.000 auf 395.000 bis 390.000 Euro, berichten Insider. Schmerzliche Einschnitte erfuhr übrigens auch das FWF-Budget: Da es heuer keine Sondermittel gibt, fehlen 20 Millionen Euro. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11. 5. 2003)