Salzburg - Er habe gedacht, dass "sowieso weiter ermittelt wird und die Wahrheit herauskommt", erklärte der Angeklagte Peter Heidegger am Montag bei der Fortsetzung des Taximordprozesses in Salzburg.

Erst als ihm später klar geworden sei, dass die Kripo-Beamten "meine Unschuld nicht beweisen werden", habe er seine insgesamt fünf angeblich unter Druck abgelegten Geständnisse widerrufen, so der Gmundner. Ein sehnsüchtig erwarteter Rechtsanwalt, der als Zeuge von angeblichen Waffen-Wurfversuchen des Verteidigers am Tatort berichten sollte, entschlug sich der Aussage.

Angst und mit den Nerven fertig

Nach zahlreichen Vernehmungen und Beschimpfungen durch die ermittelnden Gendarmen sei er mit den Nerven fertig gewesen und habe Angst gehabt. "Mir ist vorgehalten worden, dass meine Haare im Taxi gefunden und meine Fingerabdrücke sichergestellt worden sind", schilderte Heidegger. Als er sich hartnäckig geweigert habe, etwas mit dem Mord an der Taxilenkerin Claudia Deubler zu tun zu haben, habe ein Kripo-Beamter gesagt, dann werde man ihn "halt eine Nacht beleuchten, dann wird er's schon zugeben".

Ihm sei gesagt worden, dass er bei einem Geständnis "billiger davon komme", dass er, wenn er bei seiner Aussage bleibe, in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher komme und, dass "die sich schon freuen, wenn ich dort hinkomme". Schließlich habe er das Geständnis abgelegt, "damit Ruhe ist".

Merkwürdige Versäumnisse

Akte von geklärten Kapitalverbrechen müssten grundsätzlich zwanzig Jahre lang aufgehoben werden, unwichtige Informationen fünf Jahre lang, erklärte ein Gendarmeriebeamter als Zeuge. Warum sich trotzdem kein Vermerk mit einer Auflistung der aufgefundenen Dokumente und Papiere des Mordopfers finden lasse, könne er ebenso wenig nachvollziehen wie die Tatsache, dass es keinen Untersuchungsbericht zu eventuellen Fingerabdrücken auf den Papieren gebe.

Er sei damals noch nicht bei der Kriminalabteilung gewesen, könne sich das aber nur dadurch erklären, "dass sich der Tatverdacht nicht bestätigt hat und es deswegen nicht in den Ermittlungsakt eingegangen ist".

"Wildes Chaos im Vermittlungsakt"

"Ein wildes Chaos" ortete Verteidiger Franz Mahr im Ermittlungsakt, in dem es "kein wie auch immer geartetes System gebe". So sei etwa die zusammen mit den Dokumenten Deublers aufgefundene Bankomatkarte "nirgends dokumentiert".

Bis heute gebe es keine Berichte zu wichtigen Beweismitteln, ergänzte sein Kollege Franz Gerald Hitzenbichler. So könnten auf den Papieren Deublers ja auch Fingerabdrücke anderer Personen - der wahren Täter - gewesen sein. "Die Verteidigung und das Gericht fragen sich mit Recht: Wie kann es so etwas geben?", stellte der vorsitzende Richter Peter Reifenberger fest. (APA)