Der Prozess gegen den Bruder des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Soko-Chefermittlers in der Causa Kampusch musste am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht sofort vertagt werden. Der Angeklagte war bereits zum zweiten Mal nicht erschienen, diesmal entschuldigte er sich per SMS. Dem 56-Jährigen wird schwerer Diebstahl und Urkundenunterdrückung vorgeworfen.

Der Grazer hatte vor drei Tagen ein SMS an seine Verteidiger geschickt, in dem er ihm mitteilte, dass er "unabkömmlich" sei und um eine Verschiebung der Verhandlung bitte. "Wir wissen leider auch nicht mehr", so die Anwältin. Richterin Elisabeth Juschitz eröffnete aber trotzdem das Verfahren, um gleich darauf zu protokollieren, dass der Angeklagte nicht erschienen sei. Seitens des Gerichts ließ man einige Male nachschauen, ob der Beschuldigte zu Hause sei, doch weder er noch sein Auto wurden gesichtet.

Beschuldigter von Mehrtäter-Theorie überzeugt

Dem 56-Jährigen wird vorgeworfen, Computer, Datenträger und Urkunden nach dem Tod seines Bruders an sich genommen zu haben, wobei er den Laptop später wieder zurückgegeben hat. Außerdem ist er wegen Vollstreckungsvereitelung angeklagt - als ehemaliger Inhaber eines Gartengestaltungsunternehmens soll er in einem Exekutionsverfahren gepfändete Lkw unterdrückt haben.

Brisant ist der Prozess im Hinblick auf die Rolle des Angeklagten im Zusammenhang mit medial kolportierten Zweifeln am Selbstmord seines 58-jährigen Bruders. Der Beschuldigte ist von der Mehrtäter-Theorie im Fall Kampusch überzeugt und vermutet, dass sein Bruder in seinen Ermittlungen möglichen Komplizen von Wolfgang Priklopil zu gefährlich geworden sein könnte.

Ein neuer Verhandlungstermin stand am Donnerstag noch nicht fest. (APA)