Wien - Die Universität Klagenfurt prüft die Diplomarbeit von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf mögliche Plagiatstellen. Das berichten der ORF-Kärnten und der "Kurier". "Wir haben den Auftrag zur Prüfung schon länger vergeben, weil wir die Sache auf uns zukommen gesehen haben", so Vizerektor Hubert Lengauer. Grassers Diplomarbeit wird derzeit sowohl händisch als auch elektronisch überprüft. Ein Ergebnis sei in ungefähr einer Woche zu erwarten.

Grassers damaliger Betreuer, der mittlerweile emeritierte Professor Herbert Kofler, kann sich gegenüber dem ORF an keine Ungereimtheiten erinnern. "Ich weiß, dass es eine sehr ordentliche Arbeit war, auch das Thema war interessant gewählt: Die Rechtsform-Wahl ist immer ein entscheidendes Thema im Wirtschaftsleben. Es ging um das Modell der Schweizer AG. Zum Inhalt oder den Vorwürfen, dass auch hier abgeschrieben worden sein soll, kann ich im Moment aber überhaupt nichts sagen", wird Kofler zitiert.

Ob sich auf den ersten Blick tatsächlich ein Plagiatsverdacht aufdrängt, sehen Experten unterschiedlich: Im "Kurier" ortet der Medienwissenschafter Stefan Weber zum Teil "eindeutig Plagiate" bzw. spricht von "verdächtigen Passagen" und "Ungereimtheiten". Gerhard Fröhlich, Professor am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Uni Linz und selbst als Plagiatsgutachter im Einsatz, hat bei seiner Überprüfung von im Internet verfügbaren Ausschnitten aus der Arbeit hingegen "vorläufig nichts entdeckt": "Schnorren ist ja mehr oder minder erlaubt", so Fröhlich.(APA/red)