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Drei Jahrzehnte protestierte der Bacaja-Stamm gegen den Kraftwerksbau.

Foto: Reuters

In Brasilien hat ein Bundesgericht einen erst vor wenigen Tagen verhängten Baustopp für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet kassiert. Bundesrichter Olindo Menezes begründete dies am Donnerstag damit, dass für die Teilgenehmigung zum Baubeginn noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein müssten. Mit der Entscheidung können die Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Para wieder aufgenommen werden.

Ein Richter in Belem hatte am vergangenen Freitag dagegen den sofortigen Baustopp wegen mangelnder Einhaltung der Umweltauflagen verfügt und zugleich die Finanzierung des umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro teuren Projektes durch Brasiliens staatliche Entwicklungsbank BNDES auf Eis gelegt. Die Umweltbehörde (Ibama) gab erst im Jänner grünes Licht für vorbereitende Arbeiten und die Rodung von 240 Hektar Wald.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff setzt sich wie ihr Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva massiv für den Bau des Kraftwerkes an dem Amazonas-Seitenarm im Bundesstaat Para ein. Das Kraftwerk soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energia SA verantwortlich.

Drittgrößtes Wasserkraftwerk der Welt

Die Anlage wäre mit einer Leistungskapazität von mehr als 11.000 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipu-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für die achtgrößte Volkswirtschaft für notwendig.

Die am und vom Xingu-Fluss lebenden Indios, die katholische Kirche - darunter der Bischof von Xingu, der aus Österreich stammende Erwin Kräutler -, Menschenrechtler und Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt. Die Kritiker befürchten unkalkulierbare Auswirkungen auf die Umwelt und sehen die Lebensgrundlagen der Indios massiv bedroht. Sie befürchten, dass Belo Monte mindestens 20.000, möglicherweise sogar 50.000 Menschen vertreiben wird. Insgesamt sollen für die Staubecken mehr als 500 Quadratkilometer Fläche überflutet werden.

Der börsenotierte österreichische Anlagenbauer Andritz AG bezifferte seinen Auftragsanteil am umstrittenen Mega-Wasserkraftwerk mit rund 330 Mio. Euro, etwa für Turbinen und Generatoren. Alle Anlagen, die Andritz liefere, erfüllten die jeweiligen Umweltauflagen voll und ganz, betont das Unternehmen. (APA)