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Designierte Rektorin der TU Wien: Sabine Seidler.

Foto: APA/Roland Schlager

Sie war dreimal "die Erste" an der Technischen Universität (TU) Wien: Werkstofftechnikerin Sabine Seidler wurde 1996 als erste Professorin berufen, 2007 als erste Vizerektorin bestellt und am Freitag zur ersten Rektorin der TU gewählt.

Damit hat Österreich zwei Uni-Rektorinnen. Das Faktum "Frau" hat für die 1961 in Sachsen-Anhalt in der damaligen DDR Geborene selbst "keine Bedeutung". Sie sei in einem Umfeld groß geworden, wo "es völlig normal war, dass Frauen berufstätig sind und Familie haben" - und wo die Rahmenbedingungen ("Kinderbetreuung ist das Wichtigste") gestimmt hätten, sagt die designierte TU-Chefin im Standard-Gespräch. Ihre Töchter (25 und 26, eine studiert Chemie an der TU, eine Theater-, Film- und Medienwissenschaften) habe sie in der Promotionsphase bekommen: "Ich habe meine gesamte Karriere mit Kindern gemacht."

Die begann an der Technischen Hochschule Merseburg im historischen Herbst 1989. Sabine Seidler promovierte und die Mauer fiel. "Das gibt's nicht" war ihre erste Reaktion, als sie es im Radio hörte. "Das muss doch stimmen" die zweite, als sie und ihr Mann die Menschenmenge vor der benachbarten Polizeistation sahen, die sich dort um einen Pass anstellte.

Es folgten sieben Jahre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und in Bochum, bis sie der Ruf aus Wien ereilte. "Mein Thema ist Zähigkeit", beschreibt sie ihr Forschungsgebiet. Wie und warum gehen Werkstoffe kaputt? Wichtig zum Beispiel für die Entwicklung neuartiger Autostoßstangen.

Sich selbst beschreibt die mittlerweile Eingebürgerte als "hartnäckig, konsequent, lösungsorientiert", als typisch österreichisch wohl, "dass man Probleme oft nicht direkt anspricht".

Gibt's Hobbys? "Arbeiten." Aber auch "viele Fertigkeiten: ich koche, backe, stricke, häkle, repariere - und wie man mir sagt, nicht so schlecht." Zum Ausgleich wird "sehr konsequent" Rad gefahren und "exzessiv gelesen" - besonders gern Krimis, am liebsten von der "Lieblingsschriftstellerin" Elizabeth George.

Im Urlaub reist Familie Seidler gern "dorthin, wo viele alte Steine sind, würden die Töchter sagen", wegen der antiken Kultur, sagt die Mutter. In Globetrotter-Manier geht es "immer wo anders" hin. Nur einmal war man zwei Mal an einem Ort, und dort war es so schön, dass es sogar ein drittes Mal geben sollte, aber da kam die aktuelle Weltpolitik dazwischen: "Schnorcheln im Roten Meer" muss noch eine Zeit lang warten. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 5./6.3.2011)