Grafik: Nokia

Durch die unlängst verlautbarte Richtungsänderung bei der Smartphone-Strategie von Nokia wurden auch für das zuvor im Zentrum der Entwicklung stehende C++-Framework Qt einige Zukunftsfragen aufgeworfen. Immerhin nimmt Qt nun Nokia-intern eine wesentlich weniger wichtige Rolle als bislang ein, wird doch das Qt-basierte MeeGo weitestgehend durch Microsofts Windows Phone 7 abgelöst. Statt dessen soll Qt beim finnischen Telekomkonzern vor allem als Toolkit für Symbian eingesetzt werden - das allerdings langfristig ebenfalls durch Windows Phone 7 ersetzt werden soll.

Kritik

Entsprechend wurden in den letzten Wochen zahlreiche Stimmen laut, die die vielen offenen Fragen zur weiteren Zukunft von Qt bei Nokia kritisierten: In welchem Ausmaß und mit welchem Fokus werde Nokia Qt weiterentwickeln, dies vor allem auch mit dem Fokus auf die diversen Open-Source-Projekt - wie der Linux-Desktop KDE - die ihr Entwicklung auf das C++-Framework aufgebaut haben. Nun gibt Nokia - indirekt - zumindest eine teilweise, dafür überraschend rasche Antwort: Zumindest die kommerzielle Qt-Zukunft wird nicht bei Nokia stattfinden.

Verkauf

Wie es in einer Presseaussendung des Unternehmens heißt, wurden die kommerziellen Verwertungsrechte an Qt und das professionelle Service-Geschäft an den Softwarehersteller Digia verkauft. Das Unternehmen ist schon seit einigen Jahren im Qt-Umfeld aktiv und sieht sich mit "hunderten Qt-Experten" bestens für diese Aufgabe gerüstet. Der Deal soll bereits Ende März abgeschlossen werden, Nokia will aber im kommenden Jahr mit Digia zusammenarbeiten, um einen sanften Übergang beim Tagesgeschäft zu gewährleisten.

Kein Kerngeschäft

Die Entscheidung für den Verkauf sei gefallen, da das Lizenzgeschäft nicht von zentralem Interesse für Nokia sei, so das Unternehmen. Entsprechend habe man bereits vergangenes Jahr mit der Suche nach einem potentiellen Käufer für diesen Bereich begonnen, mit Digia meint man nun die optimale Lösung gefunden zu haben. Schließlich passe das Qt-Geschäft bestens zu Digias langfristiger Strategie und den Business-Plänen.

Hintergrund

Nokia war erst Mitte 2008 durch die Übernahme des Softwareherstellers Trolltech in den Besitz von Qt gekommen. Die Software steht unter eine Dual-Lizenz, neben der freien LGPL kann die Software auch unter einer kommerziellen Lizenz bezogen werden. Eben diese Rechte, von denen nach Angaben des Unternehmen derzeit rund 3.500 externe Softwarehersteller Gebrauch machen, reicht Nokia nun also weiter. Zudem wird ein Teil der Angestellten im Support- sowie Sales- und Marketingbereich von Nokia zu Digia wechseln.

Zentral

In der Presseaussendung betont man, dass der Verkauf der kommerziellen Rechte natürlich nicht das Ende der Qt-Entwicklung bei Nokia bedeuten wird, man habe hier langfristige Interessen. Allerdings werde diese künftig auf die langfristigen Geschäftsinteressen fokussiert sein, im Konkreten also wohl die Unterstützung von Symbian.

Abwarten

Bei Digia kommuniziert man hingegen auch explizites Interesse daran, Qt im Desktop- und Embedded-Bereich weiter voranzutreiben, und spricht hier auch von künftigen Investments, dies allerdings ohne wirklich konkret zu werden. So bleibt fürs Erste wohl abzuwarten, ob Digia den nun wohl unvermeidlich folgenden, umfangreichen Personalabbau in der Qt-Entwicklungsabteilung von Nokia auffangen kann - und will. (apo, derStandard.at, 07.03.11)