Wie (un-)sicher Barcelonas U-Bahnen wirklich sind hat Christoph am eigenen Leib erfahren.

Foto: Christoph Wagner

In Barcelonas U-Bahnen verschwindet so einiges: Uhren, Geldbörsen, Handys, Schmuck. Organisierte Diebesbanden sollen ihr Unwesen treiben und besonders Touristen ihren Traumurlaub zum Alptraum machen. Als ich vor drei Jahren das erste Mal in Barcelona war, ließ ich beim U-Bahn fahren meine Geldbörse nicht eine Sekunde aus den Augen. Handy hatte ich erst gar keines mit. Alles ging gut. Jetzt starte ich einen Selbstversuch und will wissen, wie gut Barcas U-Bahn-Taschendiebe wirklich sind.

Meine alte, ramponierte Geldbörse soll also an den Mann/an die Frau gebracht werden. Ich räume bis auf Rechnungen und ein paar schwedischen Kronen alles aus, verstaue sie in meiner rechten Jackentasche und mache den Knopf zu. Um ganz sicher als potenzielles Touristen-Opfer durchzugehen, hänge ich meine Kamera um den Hals und trage den Stadtplan halb zerknüllt in der Hand. Ich will ja schließlich ausgeraubt werden.

Der Köder: eine alte Geldbörse.
Foto: Christoph Wagner

Rush-Hour – 17:30 Uhr, U-Bahn L3, Sants Estació: Bei der ersten Fahrt mache ich, wie sich im Nachhinein herausstellen wird, den Fehler, zu früh in den Zug einzusteigen. Nichts passiert. Beim zweiten Versuch warte ich zu, dränge mich als einer der letzten in die U-Bahn. Hinter mir schiebt noch ein Mann, wahrscheinlich arabischer Abstammung, nach. Mit der einen Hand halte ich mich oben an, in der anderen ist die Karte, die ich über die Jackentasche mit der Geldbörse hängen lasse. Bei der nächsten Station bleibt der Zug mit einem heftigen Ruck stehen, der Mann fliegt gegen mich, ich stoppe ihn mit beiden Händen. Als die Türen aufgehen, verschwindet er mit schnellen Schritten. Tatsächlich ist die Geldbörse ist weg – Respekt, gut gemacht.

Foto: Christoph Wagner

Das vorherige Erlebnis machte mich neugierig. Ich will einen zweiten Versuch. Diesmal präpariere ich den Schutzmantel meines Reisepasses mit ein paar alten Rechnungen. Ich erwische eine U-Bahn ohne Dieb, was aber beim Aussteigen passiert ist Sonderklasse: Eine korpulente Frau mit Baby auf dem Arm rennt trotz der Ausweichversuche meinerseits seitlich in mich hinein, regt sich fürchterlich auf, steigt in den Zug und ist wie meine Passhülle verschwunden. Gemerkt habe ich wieder absolut nichts.

Für mich bleibt nicht nur, dass es diese professionellen Diebe wirklich gibt, sondern auch, dass sie zu meiner Verwunderung wirklich sehr, sehr gut sind. Trotzdem: Wer aufpasst, braucht keine Angst um seine Sachen zu haben. Wer das nicht tut, wird sich früher oder später nicht mal mehr von seinen Wertgegenständen verabschieden können. (Christoph Wagner)