Korneuburg/Wien/Sarajevo - Der in Korneuburg inhaftierte bosnische Ex-General Jovan Divjak kommt gegen die Erlegung einer Kaution auf freien Fuß. Das Geld ist Dienstagnachmittag auf dem Gerichtskonto eingegangen, sagte die Mediensprecherin des Landesgerichts Korneuburg, Christa Zemanek. Divjak stehe damit unmittelbar vor der Enthaftung.

Die Auslieferungshaft werde aufgehoben, über die Auslieferung muss das Gericht Korneuburg aber weiterhin entscheiden, schilderte Zemanek die Situation. Am Nachmittag war eine Kaution in der Höhe von 500.000 Euro festgesetzt worden. Bosnischen Medienberichten zufolge soll das Geld von der Regierung des Kantons Sarajevo kommen.

Divjak werde nach Eintreffen der Kaution den Pass abgeben und sich weiterhin in Österreich aufhalten müssen, um mit den österreichischen Behörden zusammenzuarbeiten, hatte Zemanek bereits am Nachmittag erklärt. Der 73-Jährige habe ein diesbezügliches Gelöbnis abgelegt. Laut Zemanek dürfte die bedingte Freilassung noch am Dienstag erfolgen.

Die Bereitstellung der Finanzmittel wurde laut bosnischen Medien bei einer Sondersitzung der Regierung des Kantons Sarajevo beschlossen. Der vom Korneuburger Gericht bereits am Nachmittag genannte Betrag von 500.000 Euro wurde in den Berichten aber nicht genannt.

Sarajevo richtet heute Auslieferungsantrag an Wien

Sarajevo wird am heutigen Mittwoch einen Antrag zur Auslieferung des pensionierten Generals Jovan Divjak an Österreich stellen. Dies kündigte Justizminister Barisa Colak am Dienstagabend gegenüber dem TV-Sender RTF an. Dem österreichischen Justizministerium werde vom bosnischen Außenministerium auch die gesamte Dokumentation in diesem Fall zugestellt, sagte Colak. Divjak war am 3. März auf dem Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden, gestern kam er gegen Hinterlegung einer Kaution frei.

Der bosnische Chefankläger Milorad Barasin bestätigte unterdessen, dass die seit 2005 laufenden Ermittlungen zum Angriff auf die Anfang Mai 1992 aus Sarajevo abziehenden jugoslawischen Streitkräfte bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein werden. "Gegen Divjak laufen die Ermittlungen in Sarajevo, er muss an Bosnien-Herzegowina ausgeliefert werden", sagte Barasin, ohne die Namen anderer Verdächtiger nennen zu wollen.

Serbien will keine weitere Politisierung des Falls

Die Gerichte sollen ihre Arbeit in der Causa um den in Korneuburg inhaftierten bosnischen Ex-General Jovan Divjak machen, erklärte der serbische Botschafter in Wien, Milovan Bozinovic am Dienstag. Serbien wolle eine weitere Politisierung des Falles vermeiden, meinte Bozinovic auf die Frage, warum sich bisher weder Serbiens Staatspräsident Boris Tadic, der heute in Japan weilt, noch Außenminister Vuk Jeremic dazu äußerten. Man werde sich streng an die rechtlichen Vorgaben halten und sei skeptisch gegenüber politischen Stellungnahmen, so Bozinovic.

Serbien werde die geforderten Unterlagen fristgerecht bereitstellen, damit der Fall von "Herrn Divjak im Einklang mit dem internationalen Recht" gelöst werde. Es gehe um ein "unzweifelhaftes Verbrechen" in Sarajevo, sagte Bozinovic unter Anspielung auf die Tötung von Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in der Dobrovoljacka-Straße Anfang Mai 1992.

Am gestrigen Montag kam heftige Kritik am Vorgehen des bosnischen Außenministers Sven Alkalaj vom derzeitigen Vorsitzenden des bosnischen Staatspräsidiums, dem Serben Nebojsa Radmanovic. Die an Serbien verschickte Protestnote Bosniens in der Causa Divjak sei nicht verfassungsgemäß, kritisierte der Parteifreund des Präsidenten der Republika Srpska, Milorad Dodik.

Alkalaj, der aus der bosniakischen (moslemischen) dominierten Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH) stammt, hatte Divjak am Montagabend gemeinsam mit dem kroatischen Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums Zeljko Komsic im Gefängnis von Korneuburg aufgesucht. Laut Sprecherin Zemanek dauerte der Besuch rund eine Stunde. (APA)