Seit über vierzig Jahren arbeite ich als Berater und Wegbegleiter mit Managern, insbesondere Mitgliedern des Vorstandes und Aufsichtsrates von Aktiengesellschaften (Sie kennen mein Lehrbuch "Aktienrecht für Manager" , das auch vom OGH schon zitiert wurde). Seit Monaten breitet sich in Österreichs Welt der Politik, Wirtschaft und Medien ein gefährliches Virus aus: Die Quotenregelung. Warum gefährlich? Die Krise hat gezeigt. dass Österreich ("eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält" ) neben der beginnenden Agonie des Rechtsstaates ein Defizit an hochqualifizierten Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern aufzuweisen scheint.

Zur Bestätigung las ich jüngst. dass man diesem Umstand mit einem dreimonatigen Kurs (!) für Aufsichtsräte gegensteuern will. Peinlich bis grotesk. Aber die Politik hat die zukunftsweisende Lösung des Problems entdeckt: Mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte. Wir verlegen also die Qualifikationskriterien und Parameter (wie sie das österreichische Aktienrecht nicht besser vorgeben könnte) vom Wettbewerb der Köpfe auf den Zahlenwettbewerb zwischen Klitoris und Penis. Gute Nacht!

Allen Feministinnen und deren heuchlerischen Trittbrettfahrern ins Stammbuch: Sollten die Auswahlkriterien des Aktienrechts zur Besetzung selbst aller Vorstands- und Aufsichtsratssessel in Österreich ausschließlich mit Frauen führen, zöge ich dankbar und mit großem Respekt vor ihnen den Hut. Aber Genitalquoten zum Auswahlparameter zu erheben richtet alle jene (und unsere Wirtschaft zu Grunde), die solches Gesabber ersinnen, verbreiten oder gar realisieren. (Ewald Weninger, DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2011)