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Grafik: APA

Wien - Der Ölpreis steigt, und das merken mittlerweile alle an den Zapfsäulen der heimischen Tankstellen. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer meinte noch am Mittwoch, der Rohstoff sei unnötig teuer, der jetzige Preis nicht fundamental begründet, sondern von "Marktpsychologie" getrieben. Auch einen Mangel an Öl gibt es laut dem OMV-Chef nicht.

Anders sehen das die Rohstoffanalysten der Erste Bank, die am heutigen Donnerstag ihren Öl-Report präsentierten. „Bei konventionellem Öl wird das Fördermaximum demnächst erreicht sein", erläutert Ronald Stöferle. "Es steht außer Frage, dass die Diskussion um Peak Oil mehr als reine Panikmache ist." Rund 64 Länder hätten bereits ihr Fördermaximum erreicht. Die Tatsache, dass nun immer häufiger offizielle Institutionen wie z.B. die deutsche Bundeswehr, die Bank of England oder das amerikanische Verteidigungsministerium sich mit Studien zu Peak Oil beschäftigten, bestätige die latente Bedrohung zudem.

Als größte Unsicherheit macht Stöferle die poltische Entwicklung in einigen arabischen Staaten aus. "Da ist aktuell noch keineswegs alles eingepreist. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Lage rasch beruhigt." Neben der chaotischen Situation in Libyen spitze sich die Lage in weiteren wichtigen Ölförderländern täglich zu. Zwar seien die politischen Verhältnisse in Saudi Arabien, Oman, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten stabiler als beispielsweise in Ägypten, dennoch sei ein Dominoeffekt nicht auszuschließen.

Nicht unterschätzen

Stöfferle warnt davor, die latenten gesellschaftlichen Spannungen zu unterschätzen. Sollte die Produktion in Libyen bzw. Algerien nur kurzfristig ausfallen, so wäre die Reservekapazität Saudi Arabiens de facto erschöpft. Einerseits werde bezweifelt, dass Saudi Arabien im Falle des Falles ihre Produktionskapazitäten rasch ausweiten könnten, andererseits spitzt sich die innenpolitische Lage weiter zu. Sollte sich auch die Iran-Krise weiter verschärfen, so wäre eine temporäre Blockade der Straße von Hormuz (der wichtigste Transportweg für Öl) eine Bedrohung, meint Stöferle. Der Ölpreis würde in diesem Worst-Case-Szenario auf mehr als 200 USD je Barrel ansteigen.

Der hohe Ölpreis bedeute außerdem "definitiv eine Bedrohung für die Weltwirtschaft, ist sich Stöferle sicher. Sobald der Preis pro Barrel Rohöl nachhaltig auf über 100 USD steige, sei davon auszugehen, dass die OPEC die Förderung drastisch erhöhen werde, um die Konjunktur nicht abzuwürgen. „Wir sehen somit überwiegend Aufwärtsrisiken für den Ölpreis."

Selbst wenn der Markt derzeit noch ausreichend versorgt sei, könnte sich der revolutionäre Flächenbrand weiter ausbreiten und den Ölpreis, speziell im ersten Halbjahr, auf neue Höchststände
hieven. Die Experten des Erste Bank Researchs rechnen 2011 mit einem durchschnittlichen Preis von 124 USD je Barrel der Marke Brent. Eine Daumenregel besagt, dass ein 10-prozentiger Preisanstieg des Ölpreises das BIP in den USA um ca. 25 Basispunkte verringert. (rom, derStandard.at, 10.3.2011)