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Und er bewegt sich doch: Erst weichte Joseph Ratzinger das absolute Kondomverbot auf, jetzt kommt er zum Schluss, dass "nicht das jüdische Volk" Schuld an einer angeblichen Hinrichtung vor rund zweitausend Jahren trage.

Foto: Reuters/Pfaffenbach

Vatikanstadt - Schon der erste, 2007 erschienene Titel von Papst Benedikt XVI. entpuppte sich als internationaler Bestseller. Am Donnerstag stellte der Vatikan den zweiten Band des Buches Jesus von Nazareth offiziell vor. Benedikt XVI. behandelt in seinem neuesten Werk den Weg Jesu "vom Einzug in Jerusalem bis zu seiner Auferstehung" und sorgte mit vorab in italienischen Tageszeitungen veröffentlichten Passagen bereits für großen Wirbel.

Konkret geht der Papst genauer auf Fragen zur Datierung des Letzten Abendmahls, die Figur des Verräters Judas sowie auf den Prozess vor Pilatus ein. Ein positives Echo in der Öffentlichkeit fanden jene Passagen, in denen der Papst die These von der Kollektivschuld der Juden am Tod Jesu zurückweist. Er untersuchte Bibelstellen, in denen es um die Verantwortlichen für das Todesurteil geht und kam zu dem Schluss, dass "nicht das jüdische Volk als solches", sondern ganz bestimmte Priesterkreise und Anhänger des Barabbas (dem im Tausch gegen Jesus das Leben geschenkt wurde) die Schuldigen seien.

Bereits 2003 startete Joseph Ratzinger, damals noch als Kurienkardinal, sein Buchprojekt. Der erste Teil Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung verkaufte sich weltweit mehr als 500.000 Mal. Mittlerweile arbeitet der Papst am dritten Teil seiner Reihe, der sich der Kindheitsgeschichte Jesu widmen soll. Der am Donnerstag erschienene zweite Band von Jesus von Nazareth wurde bereits 1,2 Millionen Mal in sieben Sprachen vorbestellt. Allein im deutschsprachigen Raum erscheint das 350 Seiten dicke Buch mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren.(Marlene Losbichler/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2011)