Nicolas Sarkozy macht seinem Namen als "Krisenmanager" wieder alle Ehre. Während die internationale Gemeinschaft zaudert, ob und wie sie gegen den libyschen Herrscher Muammar al-Gaddafi vorgehen soll, legt der französische Präsident der EU militärische Angriffspläne vor und erkennt im Schnellverfahren den oppositionellen "Nationalrat" als Vertreter Libyens an. Dafür wartete er nicht einmal eine kollektive Entscheidung des EU-Sondergipfels ab, obwohl er ihn selbst angeregt hatte.

Sarkozy lässt Gaddafi, mit dem er erst 2007 milliardenschwere Geschäfte in den Bereichen Atomenergie und Rüstung abgeschlossen hatte, also endgültig fallen.

Ausschlaggebend für Sarkozys Aktion war zweifellos ein Versuch, Frankreichs verblassendes Image im Maghreb aufzupolieren - und dazu gleich auch noch aus seinem persönlichen innenpolitischen Tief herauszukommen.

Die Frage einer militärischen Operation treibt Sarkozy seit Tagen um: Noch Anfang der Woche hatte er eine No-Fly-Zone mit dem Argument abgelehnt, der Westen könne sich "kein weiteres Afghanistan leisten" . Nun scheint er seine Meinung vollständig geändert zu haben. Und das wirkt improvisiert.

Schnelle Entschlüsse sind in Kriegszeiten manchmal nötig. Aber es wäre zweifellos besser, wenn sich die EU-Mitglieder über diesen Ernstfall einig würden, bevor Pläne publik werden. Falsche Hilfe kann den Rebellen nur schaden. (Stefan Brändle/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2011)