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Heftige Kämpfe im westlichen Küstenabschnitt Libyens.

Foto: Reuters/Waguih

Tripolis - Machthaber Muammar Gaddafi versucht weiterhin, die Rebellen mit militärischer Gewalt zurückzudrängen. Gaddafi-treue Einheiten rückten Freitagfrüh nach Angaben von Aufständischen in den Ölhafen von Ras Lanuf ein. Es komme zu Kämpfen mit Aufständischen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Während in Brüssel und Paris die politischen Weichen für Libyen gestellt wurden, griffen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi am Donnerstag erneut die Aufständischen in mehreren Küstenstädten an. Saif al-Gaddafi kündigte eine Großoffensive gegen die Aufständischen an, man fürchte sich nicht vor den USA oder anderen.

US-Geheimdienstchef James Clapper erklärte am selben Tag in Washington, "wir glauben, dass Gaddafi langfristig bleiben wird". Das Regime werde die Revolte auf lange Sicht überdauern. Die Nato befürchtet nach Aussage deren Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen den Zusammenbruch Libyens: Es könnte zum "gescheiterten Staat" werden, Nährboden für Extremismus und Terrorismus.

Die libysche Luftwaffe flog am Donnerstag Angriffe auf Stellungen der Rebellen nahe dem Ölhafen Ras Lanuf auf halber Strecke zwischen Tripolis und Bengasi.

Bombentreffer

Wie ein Augenzeuge berichtete, schlugen in der Nähe der Ölraffinerie Bomben oder Raketen ein. Ein anderer Aufständischer erklärte, der Angriff sei vom Mittelmeer aus geflogen worden. Auch ein Wohnhaus und der Parkplatz eines Krankenhauses seien von einer Bombe getroffen worden. Die libysche Luftwaffe hatte die von den Rebellen kontrollierte Kleinstadt in den vergangenen Tagen schon mehrfach angegriffen.

Aufständische versuchten ihrerseits zurückzuschlagen und griffen mit Raketen Gaddafi-Einheiten an, die in den vergangenen Tagen vom Meer aus auch in anderen Teilen des Landes Rebellenstellungen ins Visier genommen hatten. Der Ort Bin Jawad ist demnach heftig umkämpft. Zuletzt hatten Gaddafi-Truppen das Dorf in einer Gegenoffensive von den Rebellen zurückerobert.

Auch in der westlibyschen Stadt Al-Sawija hielten die Kämpfe an. Zwar sei die Stadt nun prinzipiell wieder unter Kontrolle der Armee, es gebe aber noch einige Widerstandsnester, ließ ein Gaddafi ergebener General verbreiten. Das libysche Fernsehen zeigte immer wieder Bilder von Pro-Gaddafi-Kundgebungen.

Das 40 Kilometer westlich von Tripolis gelegene Al-Sawija ist der der Hauptstadt Tripolis nächstgelegene Stützpunkt der Rebellen. Mittlerweile rückten Gaddafi-Truppen auch auf die von den Rebellen kontrollierte Stadt Misurata, die drittgrößte libysche Stadt, vor.

Auch aus Libyen zu berichten ist derzeit gefährlich: Drei Journalisten des britischen Senders BBC wurden am Montag von Soldaten auf dem Weg nach Al-Sawija festgenommen und geschlagen. Der Sender teilte mit, die Reporter seien einer Art Scheinhinrichtung ausgesetzt worden. Sie seien Zeugen von Folterungen an anderen Gefangenen geworden. Nach 21 Stunden kam das Team frei.

Laut "Reporter ohne Grenzen" werden zwei Journalisten des britischen The Guardian und des brasilianischen Estado de São Paulo vermisst. "Reporter ohne Grenzen" zufolge wurden sie von Regierungstruppen festgenommen. (AFP, dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2011)