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Demonstration gegen Gaddafi in Tobruk.

Foto: REUTERS/Suhaib Salem

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Über der Flagge der alten libyschen Monarchie, dem Zeichen der Rebellen, fordert ein Bewohner der Grenzstadt Musaid die Verhängung einer Flugverbotszone.

Foto: Anja Niedringhaus/AP/dapd

Tripolis/Paris/New York - Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben keine Einigung über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen erzielt. Nach Gesprächen hinter verschlossener Tür sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig am Montag, die Bundesrepublik habe noch Fragen zu dem Plan, die beantwortet werden müssten. Auch Russland, Brasilien und Südafrika zeigten sich skeptisch. Insbesondere Frankreich und Großbritannien haben zur Einrichtung einer Zone gedrängt, um die Angriffe der libyschen Luftwaffe gegen Aufständische zu unterbinden. Am Montag bombardierten Flugzeuge Adschdabija, die größte Stadt zwischen der Front und der Rebellenhochburg Benghasi.

Milizen Gaddafis haben am Montagabend die Stadt Suara westlich von Tripolis eingenommen. Bei Kämpfen mit bewaffneten Aufständischen hatte es zuvor mindestens einen Toten und mehrere Verletzte gegeben, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP per Telefon berichteten. Gaddafi-Anhänger bestätigten die Zahl von mindestens einem Toten. Den Angaben zufolge kontrollierten Gaddafi-treue Einheiten die Stadt und verfolgten bewaffnete Kämpfer in Saura.

Die 20.000-Einwohner-Stadt ist 120 Kilometer von Tripolis entfernt. Die meisten Einwohner sind Berber oder stammen von ihnen ab. Gaddafi leugnet, dass es Mitglieder dieser Minderheit in Libyen gibt. Er behauptete mehrfach, in Libyen seien die Berber "verschwunden und existierten nicht mehr". (APA)

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Bei ihrem Vormarsch in Richtung Osten wurden die Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi auch am Montag von Kampfflugzeugen unterstützt. Den Rebellen gelang es nach eigener Darstellung, den Vormarsch der Gaddafi-Truppen im Osten des Landes aufzuhalten. Die Regimegegner erklärten am Montag, sie hätten die Stadt Brega in der Nacht zurückerobert und dabei Dutzende von Soldaten der Gaddafi-Truppen gefangen genommen. Am Morgen sei dann die weiter östlich gelegene Stadt Ajdabiya von den Regierungstruppen bombardiert worden.

Auch um die Stadt Misurata im Westen dauerten die Kämpfe an. Der Sprecher der Aufständischen sagte: "Wir kontrollieren immer noch die Stadt, aber wir sind eingekesselt. Wenn uns die Truppen von Gaddafi mit Artillerie beschießen, haben wir dem nichts entgegenzusetzen." Deshalb sei die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen wichtig. "Wenn es dafür notwendig sein sollte, militärische Ziele aus der Luft zu bombardieren, dann wäre auch dies legitim", fügte er hinzu. Ohne den Einsatz von Luftlande- oder Bodentruppen würde dies von den Aufständischen nicht als "ausländische Einmischung" verstanden, sondern als Hilfe.

Zu den Aufständischen übergelaufene libysche Soldaten sollen laut einem Bericht des Staatsfernsehens straffrei bleiben, wenn sie sich den Regierungstruppen stellen. Wer sich wieder von den "bewaffneten Banden" abwende und seine Waffen abliefere, werde nicht bestraft, ließ das Militär am Montag mitteilen. Zahlreiche Armeeangehörige hatten sich nach dem Beginn der Proteste gegen Gaddafi Mitte Februar den Aufständischen angeschlossen.

US-Außenministerin Hillary Clinton wollte am Montagnachmittag in Paris vor Beginn des G-8-Treffens mit Vertretern der libyschen Opposition zusammenkommen. Geplant war eine Begegnung mit dem außenpolitischen Beauftragten des libyschen Nationalrates, Mahmud Jibril. Beim G-8-Treffen sollte es ebenfalls um Libyen sowie um die Katastrophe in Japan gehen.

Am Sonntagabend hatte Gaddafi in Tripolis die Botschafter von China, Indien und Russland vorgeladen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Jana erklärte er ihnen, Ölfirmen aus ihren Heimatländern könnten jetzt in Libyen groß einsteigen. Russlands Antwort: Gaddafi und seine Familie dürften russischen Boden nicht betreten, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax am Montag in einem Dekret von Präsident Dmitri Medwedew. (dpa, AFP, red, STANDARD-Printausgabe, 15.03.2011)