Jiri ist sich der Glückssträhne nicht mehr ganz so sicher wie Tomas.

Foto: Christoph Wagner

Tomas und Jiri sitzen gebannt vor einem der Hostel-Computer. Schreien in unregelmäßigen Abständen "Yeeees" oder "Fuuuuuuck". Dazwischen beschimpfen sie sich auf Tschechisch. Es klingt alles sehr ernst. Die beiden pokern darum, wie lange ihr Urlaub noch dauert. "Insgesamt darf jedem von uns der Trip nicht mehr als 250 Euro kosten", sagt Tomas.

Startchips im Wert von 300 Euro haben die beiden vor einer Woche auf ihr gemeinsames Spiel-Konto geladen. "Bis jetzt läuft es gut. Wir waren in Paris und sind heute in Barcelona angekommen", erzählt Jiri und widmet sich wieder den Karten. Bis jetzt haben sie noch nichts für ihren Urlaub bezahlt, behaupten die beiden 19-Jährigen aus Pilsen. Sie reisen nur von ihren Gewinnen. Wenn die 300 Euro verpokert wurden, geht es für Tomas & Jiri mit ihren restlichen 200 wieder in die Heimat.

Auf die Idee sind die beiden - nicht weiter verwunderlich - im Suff gekommen. "Da wir beide keine Maturareise hatten, war es höchste Zeit mal wegzukommen. Wir waren beide vorher noch nie am Ausland, das ist ein großes Abenteuer für uns", meint Tomas. Nur mit Poker-Glück sei die Reise allerdings realisierbar: "Finanziell schaut es bei uns nicht so toll aus. Wir sind auf gute Karten angewiesen, sonst sind wir ganz schnell wieder zu Hause."

Ob es nicht einfacher gewesen wäre, sich ein höheres Grund-Budget vor dem eigenen Computer zu erspielen? "Ja, wahrscheinlich. Es wäre sicher relaxter gewesen und wir hätten uns besser konzentrieren können als hier. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Einen Tag ohne Poker halte ich eh nicht mehr aus. Deswegen ist mir das so, wie wir das machen, ganz recht", gibt Tomas zu und zeigt begeistert auf den Bildschirm.

70 Euro gewonnen - Jugendherberge Barcelona "bezahlt". Tomas strahlt über das ganze Gesicht. Jiri ist dagegen zurückhaltender. Ihm ist die Glückssträhne schon ein bisschen unheimlich: "Ich habe ein komisches Gefühl und denke, dass wir uns in ein paar Tagen wieder Richtung Heimat orientieren sollten. Auf dem Weg dorthin gibt es sowieso noch viel zu sehen."