Gaza - Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat eine Großdemonstration junger Palästinenser gewaltsam aufgelöst. Augenzeugen berichteten, Mitglieder der Hamas-Polizeimiliz hätten am Dienstagabend auf dem Katiba-Platz in der Stadt Gaza mit Knüppeln auf Demonstranten eingeschlagen. Auf zahlreichen Kundgebungen im Westjordanland und Gazastreifen hatten junge Palästinenser am Dienstag eine nationale Versöhnung der zerstrittenen Palästinensergruppen gefordert.

Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur dpa, Hamas-Polizisten in Zivil hätten die Demonstranten plötzlich angegriffen und von dem Platz in Gaza verdrängt. "Sie haben auch Zelte zerstört, die wir errichtet hatten", sagte er. "Dies beweist, dass die Hamas keine Versöhnung will."

 Abbas verspricht baldige Wahlen

Zehntausende Palästinenser haben am Dienstag im Gazastreifen und im Westjordanland für die Einheit des palästinensischen Volks demonstriert. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas versprach daraufhin baldige Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Der Chef der rivalisierenden Hamas-Regierung im Gazastreifen, Ismail Hanija, rief Abbas und seine Fatah-Bewegung zu einem "umfassenden nationalen Dialog" auf.

 

Nach dem Vorbild der Revolten in Tunesien und Ägypten hatten die Organisatoren über die Internetdienste Facebook und Twitter zu der Kundgebung aufgerufen. Sie forderten ausdrücklich dazu auf, auf Symbole der unterschiedlichen Bewegungen zu verzichten, doch hielten sich zahlreiche Teilnehmer nicht daran. Zwischen Anhängern rivalisierender Gruppierungen kam es zu Rangeleien, vereinzelt wurde auch Steine geworfen. Nach Angaben von Augenzeugen und Reportern wurden drei Menschen leicht verletzt.

"Schluss mit der innerpalästinensischen Teilung" und "Revolution bis zum Ende der Spaltung", skandierten Zehntausende Demonstranten in Gaza. Versuche von Anhängern der regierenden Hamas, die Kundgebung für eigene Ziele zu nutzen, trafen auf heftigen Widerstand.

"Ich vertraue weder Hamas noch Fatah"

Auch in Ramallah, Nablus und Hebron im Westjordanland protestierten tausende Menschen. "Das Volk will ein Ende der Teilung und der Besatzung", riefen sie. Ein 24-jähriger Demonstrant sagte, er vertraue weder der Hamas noch der Fatah. "Ich bin mit meinen Freunden hergekommen, um zu zeigen, dass wir von der Spaltung genug haben", sagte er. 

Seit Wochen gehen die Menschen in den Palästinensergebieten für einen einheitlichen Staat auf die Straße. In Ramallah befindet sich ein Dutzend Jugendliche seit Sonntag im Hungerstreik, um der Forderung nach einer Überwindung der Spaltung Nachdruck zu verleihen.

Die Kundgebungen setzen die Kontrahenten in Zugzwang: Abbas erklärte vor der Presse in Ramallah, er unterstütze die Forderung der Demonstranten, Hamas-Regierungschef Hanija äußerte sich im Fernsehen ähnlich. Er forderte Abbas und die Fatah zu einem umgehenden Treffen "hier im Gazastreifen oder an einem anderen Ort" auf. Ziel müssten ernsthafte Gespräche über eine "nationale Versöhnung" sein. Seit Juni 2007 sind die Palästinensergebiete gespalten: Den Gazastreifen kontrolliert die Hamas, im Westjordanland regieren Abbas und seine Autonomiebehörde. (red/APA)