Innsbruck/Wien - Wie das "technisch genau geht", wisse Werner Königshofer "noch immer nicht". Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete wurde angezeigt, weil der Polizist und Datenforensiker Uwe Sailer ihm einen Artikel samt eingebauten - für Königshofer unsichtbaren - Code per Mail geschickt hatte. Mit einem solchen Code sind Dokumente eindeutig identifizierbar, wo immer sie auftauchen. Im vorliegenden Fall tauchte der Artikel, wie berichtet, auf der Neonazi-Homepage Alpen-Donau.Info auf. Sailers Anwalt Georg Zanger zeigte danach Königshofer an, weil nur er den codierten Artikel weitergeschickt haben könnte. Für Königshofer gilt die Unschuldsvermutung.

Der FPÖ-Nationalrat geht nun im Standard-Gespräch in die Gegenoffensive und behauptet: "Sailer hat den Artikel selbst an diese Seite geschickt - in meinem Namen." Wie das technisch ginge, könnten Experten erklären, so der 57-jährige Politiker.

Datenforensiker Sailer kommentiert die Vorwürfe mit: "Diese Behauptungen sind unrichtig und können jederzeit durch forensische Auswertungen seines Computers und der Verbindungsdaten widerlegt werden."

Königshofer hält trotzdem an seiner Theorie fest, denn: "Ich habe Informanten bei der Polizei." Eine Aussage, die bemerkenswert ist, hatte doch die FPÖ den Grünen-Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger und Sailer 2009 angezeigt, weil diese sich über die Neonaziszene ausgetauscht hatten. Die FPÖ witterte einen "grünen Spitzelskandal", die Vorwürfe wurden nach eineinhalbjährigen Ermittlungen fallengelassen.

Auf Nachfrage, wie Königshofer das mit den "Informanten bei der Polizei" konkret meine, setzt der Politiker nach: "Ich will jetzt nicht darauf herumreiten, aber es gibt Leute, die einem halt gewisse Sachen mitteilen".

Man werde den Polizisten Sailer jedenfalls erneut "anzeigen, eine Anfrage im Parlament einbringen und disziplinarrechtliche Schritte gegen ihn einleiten lassen" . (cms/DER STANDARD Printausgabe 18.3.2011)