Frage: Warum setzen die Rettungsmannschaften alles daran, Wasser in die Reaktoren 3 und 4 zur Kühlung einzubringen?

Antwort: Das hängt damit zusammen, dass das Kühlwasser zumindest aus dem Aufbewahrungsbecken über dem Reaktor 4 verschwunden ist und die gebrauchten Brennstäbe im Trockenen liegen.

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Frage: Was ist daran so gefährlich?

Antwort: Das Hauptproblem besteht darin, dass sich die aus Zirkonium bestehende Ummantelung der gebrauchten Brennstäbe so weit aufheizen kann, dass sie bei 1200 Grad Celsius zu brennen beginnt, was durch Wasserstoff begünstigt wird. Experten befürchten, dass dieser Prozess bereits begonnen hat.

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Frage: Was wären die Folgen, wenn es tatsächlich dazu kommt?

Antwort: Im schlimmsten Fall besteht die Gefahr eines "nuklearen Waldbrands" durch das Zirkonium, wie das ein US-Forscher formulierte: Haben sich die Brennstäbe erst einmal entzündet, können sie so viel Hitze entwickeln, dass sie - wie brennende Bäume in einem Wald - alles andere in der Umgebung zum Brennen bringen. Das heißt: auch andere Brennstäbe am Gelände. Dabei wird jede Menge radioaktiver Strahlung freigesetzt.

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Frage: Lässt sich die Menge des radioaktiven Materials abschätzen?

Antwort: Genauen Angaben über die Anzahl der Brennelemente im Abklingbecken der Einheit 4 gibt es nicht. Sie beträgt aber in jedem Fall ein Vielfaches der Brennstäbe, die sich im Reaktorkern befinden. Dazu kommt, dass eine Kernschmelze im Abklingbecken ohne jede Abschirmung passiert und alle Radioaktivität in die Luft geblasen wird. Eine Kernschmelze im Reaktorkern wäre immer noch durch den Schutzmantel abgeschirmt.

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Frage: Was bedeutet das im Extremfall für die Umwelt?

Antwort: Im Extremfall wird sehr viel gesundheitsgefährliche Radioaktivität in die Luft geblasen. Sie kann sich über die Japan umgebenden Ozeane und auch über das besiedelte Festland nicht nur in Japan verbreiten und zu gesundheitlichen Problemen führen.

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Frage: Wie schlimm könnte Fukushima im Vergleich zu Tschernobyl werden?

Antwort: US-Experten gingen zuletzt davon aus, dass es bereits nahe daran ist, Stufe 7 zu erreichen, also jene von Tschernobyl. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2011)