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Ein Verletzter wird in Sicherheit gebracht

Foto: epa/YAHYA ARHAB

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Demonstranten warfen bei einer Kundgebung am Donnerstag einen Mitdemonstranten in die Luft.

Foto: REUTERS/Khaled Abdullah

Sanaa - Angesichts der Eskalation der Gewalt im Jemen hat Staatschef Ali Abdallah Saleh am Freitag den Ausnahmezustand ausgerufen. Bei einem Angriff auf Regierungsgegner waren zuvor laut Ärzten in der Hauptstadt Sanaa mindestens 50 Menschen getötet und weitere 240 weitere verletzt worden. Augenzeugen berichteten, dass Anhänger Salehs von umliegenden Dächern das Feuer auf eine Demonstration vor der Universität eröffnet hätten. Hunderttausende beteiligten sich an der Demonstration unter dem Motto "Tag der Würde". US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewalt gegen Regierungsgegner scharf.

Die Verantwortlichen für den Angriff müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte Obama am Freitag in Washington. Der Präsident rief Jemens Staatschef auf, sein Versprechen zu halten und friedliche Demonstrationen zu ermöglichen. Alle Seiten müssten sich an einem "friedlichen, demokratischen und geordneten" Übergangsprozess beteiligen, der den Forderungen der jemenitischen Bevölkerung gerecht werde.

Scharfschützen

Die Sicherheitskräfte waren mit äußerster Brutalität gegen die Kundgebung an der Universität Sanaa vorgegangen. Ihre auf Dächern postierten und in Zivil gekleideten Scharfschützen schossen gezielt in die Menge, berichteten Augenzeugen. Wasserwerfer und Tränengas waren im Einsatz. Trotz der tödlichen Gewalt strömten noch mehr Menschen auf den Platz. Sie schlossen sich den Dauerbesetzern an, die dort bereits seit Wochen campieren.

Saleh regiert seit 32 Jahren über das verarmte Land im Süden der arabischen Halbinsel. Bis zum Freitag waren bereits rund 30 Demonstranten von Sicherheitskräften und bewaffneten Regimeanhängern getötet worden - hunderte weitere Menschen wurden verletzt.

"Der nationale Sicherheitsrat verkündet den Ausnahmezustand in ganz Jemen", sagte Saleh vor Journalisten. Er drückte sein "Bedauern" über den Tod der Demonstranten aus, die er als "Märtyrer der Demokratie" bezeichnete. Zudem kündigte er die Bildung einer Kommission zur Untersuchung der Todesfälle im ganzen Land an. Bei dem Angriff auf einem Platz vor der Universität handelte es sich um den blutigsten Vorfall seit Beginn der Proteste Ende Jänner. Saleh bestritt Schüsse aus Polizeiwaffen. "Die Polizei war nicht präsent und hat auch nicht geschossen", die Auseinandersetzungen hätten sich zwischen Bürgern und Demonstranten zugetragen. "Es ist eindeutig, dass die bewaffneten Elemente unter den Demonstranten waren."

Die Schüsse setzten ein, als die Demonstranten eine Polizeiabsperrung abzubauen versuchten, die den Zugang zu einer angrenzenden Straße blockierten, berichtete ein AFP-Journalist vor Ort. Die Demonstranten, die dem Aufruf einer Jugendgruppe gefolgt waren, hatten zuvor in Sprechchören gerufen: "Das Volk will den Sturz des Regimes". Die Polizei setzte Tränengas und auch scharfe Munition gegen die Demonstranten ein.

Augenzeugen zufolge handelte es sich bei den Männern, die von den Dächern der umliegenden Häusern das Feuer auf die Menge eröffneten, um regierungstreue "Schläger". Nach Angaben eines Arztes wurden die meisten Verletzten von Kugeln an Kopf, Hals und Brust getroffen. Auf dem Platz im Zentrum Sanaas campieren seit fast vier Wochen tausende Anhänger der Opposition.

In den vergangenen Wochen kam es in Sanaa und anderen Städten des Landes immer wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen Opposition und Polizei sowie Anhängern Salehs. Unter dem Druck der Proteste kündigte der Präsident an, bei den Wahlen 2013 auf eine erneute Kandidatur verzichten zu wollen. Zudem versprach er, bis Ende des Jahres ein Referendum über eine neue Verfassung abzuhalten. Mit der neuen Verfassung solle ein parlamentarisches System geschaffen und zentrale Befugnisse vom Präsidenten auf das Parlament übertragen werden. Der Opposition reicht dies jedoch nicht, sie beharrt auf Salehs sofortigen Rücktritt. (APA/Reuters)