Die Forscher rätseln, was es mit den vielen künstlichen Höhlen und Gängen auf sich habe, die vor allem im Wald- und Weinviertel zu finden sind. Der Benediktinerpater Lambert Karner registrierte im Jahre 1903 in einem Buch rund 500 solcher Erdställe - wie sie heute bezeichnet werden - zwischen Ungarn und Bayern. Die meisten von ihnen sind so eng, dass man sich in ihnen nur kriechend fortbewegen kann.
Die These, es handle sich um Fluchtstätten, lässt sich daher nicht aufrechterhalten. Die Ansicht, es handle sich um Kultstätten, konnte bisher nicht bestätigt werden. Unklar ist auch, wann die Erdställe gegraben wurden.
Im Rohrwald bei Stockerau gibt es solche Erdställe, die leicht zugänglich sind. Von einem Hohlweg aus sind Gänge in den Löss gegraben, die sich manchmal zu Kammern mit kleinen Säulen und Bänken erweitern. Bei den Heimischen heißen die Erdställe "Schwedenhöhlen", weil angeblich während der Schwedenkriege Menschen aus der Umgebung in ihnen Schutz suchten, was allerdings nicht belegt und auch unwahrscheinlich ist. Die Höhlen sind in der Bundesamtskarte nicht verzeichnet, doch führt zu ihnen ein gut beschilderter Weg, womit sie sich in eine Rundtour durch den Rohrwald eingliedern lassen.
Geheimnisse birgt auch die höchste Erhebung des Gebiets, der Michelberg, auf dessen Kuppe eine weithin sichtbare kleine Kirche steht, zu der auch Wallfahrten stattfinden und die in den Weinviertler Teil des Jakobsweges einbezogen ist. Auf der freien Gipfelkuppe haben Archäologen bis in die Steinzeit zurückreichende Siedlungsspuren nachgewiesen, derzeit legt die Archäologie Niederösterreich die Fundamente eines sakralen Baus frei.
Die Aussicht vom Michelberg ist beachtlich und reicht bis zum Schneeberg, zum Ötscher und zum Traunstein. Die Runde durch den Rohrwald ist teilweise unmarkiert, man sollte daher die Bundesamtskarte mitnehmen, um keine Orientierungsprobleme zu bekommen.
Die Route: Vom Gasthaus Goldenes Bründl an der Verbindung Oberrohrbach-Rückersdorf geht es ein Stück auf der Straße nach Osten, dann hält man sich auf einer Forststraße (Wegweiser mit schlecht leserlicher Inschrift "Schwedenhöhlen"). Auf der roten Markierung wandert man den Rohrbach aufwärts. Wo die Markierung nach links in den Wald abzweigt, bleibt man auf der Forststraße und erreicht bald die Abzweigung zu den Schwedenhöhlen. Gehzeit ab Goldenem Bründl eine Dreiviertelstunde. Zurück zur Forststraße und auf dieser weiter. Man erreicht wieder die rote Markierung.
Bei der nächsten markanten Weggabelung wählt man den linken Ast, der am Hang des Höchbergs ansteigende Weg führt zu einem Haus (Stützpunkt der Holzfäller) und geradeaus weiter. In einem Bogen geht es in ein Tal, wo man auf eine rote Markierung stößt, der man nach rechts zum Steinberg und weiter zum Michelberg folgt. Gehzeit ab Schwedenhöhlen 1½ bis 1¾ Stunden.
Auf der grünen Markierung geht es in den Sattel vor dem Waschberg hinab, dort hält man sich links und wandert - grün - zum Goldenen Bründl. Gehzeit ab Michelberg eine Stunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/19.03.2011)