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Als ein loser Zusammenhang definieren sich die Hacker von Anonymous, einer Gruppierung, die in den letzten Jahren immer wieder mit direkten Aktionen gegen Organisationen und Regierungen auf sich aufmerksam gemacht hat. So hat man in der Vergangenheit bereits eine Kampagne gegen Scientology organisiert und zur Unterstützung der Demokratiebewegungen im Jemen sowie zuvor in Ägypten und Tunesien lokale Regierungsserver angegriffen. Zuletzt sorgte dann aber auch ein Kleinkrieg mit der Sicherheitsfirma HBGary für einige Aufregung, die behauptete zentrale Mitglieder von Anonymous zu kennen - und umgehend gehackt wurde.

Gawker.com wurden nun offenbar Insider-Informationen zu Anonymous zugespielt, die ein etwas anderes Bild der Organisation zeichnen, als es sonst nach außen kommuniziert wird. Die Infos stammen von ehemaligen Anonymous-Aktivisten, die aus der Hacker-Gruppierung ausgeschieden sind, da sie nach eigenen Angaben die "unpatriotischen Wege des Mobs satt" hatten.

Chat-Protokolle

Sie Ex-Anonymous-Leute entschlossen sich dazu Chat-Logs von führenden Anonymous-Leuten an die Justiz weiterzuleiten, auch Gawker.com wurden nach eigenen Aussagen entsprechende Informationen zugespielt.

Die Chat-Logs umfassen mehrere Tage im Februar, unmittelbar nach dem Hack der Internet Security-Firma HB Gary. Dort wurden Email-Accounts gehackt.

Aus den Chat-Logs geht, entgegen bisherigen Behauptungen, hervor, dass es sich bei Anonymous sehr wohl um eine organisierte Gruppe mit Führungsmitgliedern handelt. Die führenden Mitglieder achten darauf, dass die Mitglieder Befehle befolgen und nicht aus der Reihe tanzen. Auch würden die Chat-Logs beweisen, dass zumindest einer der Hacker im Dezember 2010 die Email-Adressen von tausenden Gawker-Nutzern veröffentlicht habe. Dabei handle es sich gar um ein Schlüsselmitglied der Gruppierung.

Arroganz

Gawker meint, dass die Chat-Protokolle eine gewisse Arroganz von führenden Anonymous-Leuten an den Tage legten. So habe man sich nach dem Sturz von Hosni Mubarak gegenseitig gratuliert. Die Protokolle sollen aus einem IRC-Chat namens "#HQ" stammen, an welchem ausschließlich auf Einladung teilgenommen werden konnte. Die Hoster des Chats nannten sich Sabu, Kayla, Laurelai, Avunit, Entropy, Topiary, Tflow und Marduk - sie wurden von Metric und A5h3r4 unterstützt, wobei es sich um wichtige Anonymous-Unterstützer gehandelt habe. Sie zeigten sich zunehmend unzufrieden, zumal Anonymous auch minderjährige Mitglieder in seine Reihen aufgenommen habe. In Großbritannien und den Niederlanden wurden diesen Jänner zwei 16-Jährige und ein 15-Jähriger, alle drei vermeintliche Anonymous-Mitglieder, verhaftet.

A5h3r4 meint, dass die führenden Anonymous-Leute "zu arroganten Soziopathen" würden. "Sie handeln zuerst ohne nachzudenken. Sie rekrutieren Kinder." Zwar glaube A5h3r4 an freie Meinungsäußerung und Privatsphäre, aber Anonymous über mittlerweile nur "Selbstjustiz".

"Kriminelle Vereinigung"

Anonymous beschreibt sich selbst als führungslose Gruppierung, wie auch aus den Chat-Protokollen hervorgeht. Dabei zeigt sich, dass die Selbstbeschreibung aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen gewählt wurde, denn man wolle nicht als "kriminelle Vereinigung" gesehen und verurteilt werden.

Listen

Im Chat wurden Teilnehmer durch Sabu aufgefordert Listen mit potenziellen Zielen zu erstellen, darunter Internet-Sicherheitsfirmen aber auch Medien und Anwälte. Laurelai verfasste laut Chat eine Anleitung für Anonymous-Attacken, was Sabu stark kritisierte. Er befürchtet im Chat rechtliche Konsequenzen durch Behördenuntersuchungen und fordert Laurelai auf das Dokument zu löschen: "remove that shit from existence", heißt es im Chat wörtlich.

Sicherheit

Die Protokolle belegen, dass sich die Chat-Nutzer um ihre Sicherheit sorgten, gleichzeitig aber sicher genug fühlten um mit ihren Angriffen zu prahlen - was nun rechtliche Konsequenzen haben könnte. Denn Metric und A5h3r4 reichten die Chat-Logs an das FBI weiter, zusammen mit den vermeintlich echten Namen einiger Chat-Besucher. Anonymous-Sprecher Barret Brown besätigt die Vorwürfe zum Teil und bezeichnete einzelne Mitglieder als "größenwahnsinnig". (red)