Meßkirch - Am Anfang klang es für die meisten wie ein wirrer Traum einiger Mittelalterfreaks: Allein mit frühmittelalterlichen Mitteln will ein Verein im baden-württembergischen Meßkirch eine ganze Klosterstadt nach historischen Plänen aufbauen. Nach einer Bürgerversammlung am Samstagabend scheint sich die Stimmung unter den Anrainern nun zum Positiven für die deutschlandweit einzigartige Baustelle zu wenden. Schon 2012 könnte es losgehen.

Für Historiker und Archäologen wäre die Baustelle eine Sensation, so Bert Geurten, Vater der Idee und Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt. In Europa gibt es bis dato nur ein vergleichbares Projekt im französischen Guedelon. Zahlreiche Forscher hätten sich bei ihm gemeldet, die die mittelalterliche Baustelle wissenschaftlich begleiten wollen. "Das ist ein Stück Weltkulturerbe", schwärmt Geurten. Seit der gelernte Journalist vor über 40 Jahren ein Modell des Kloster-Bauplans gesehen hat, ist seine Fantasie entfesselt: Er will diese Stadt bauen - nicht als Modell, sondern in Originalgröße auf zwölf Hektar Fläche. Rund 40 Häuser und eine Kathedrale für 2.000 Menschen sollen entstehen, und zwar ganz ohne moderne Maschinen.

Die Pläne

Die Pläne für die karolingische Klosterstadt wurden zwischen 819 und 826 auf der Bodenseeinsel Reichenau gezeichnet und lagern heute in der Stiftsbibliothek von St. Gallen. Gebaut wurde das Kloster allerdings nie. Der 112 mal 77,5 Zentimeter große Plan zeigt Grundrissdarstellungen von rund 40 Gebäuden, aber auch Gärten, Zäune, Mauern und Wege. Im Zentrum steht die Klosterkirche. Laut Wissenschaftern der University California in Los Angeles könnten rund 100 Mönche und 150 Arbeiter in der Stadt leben.

Finanzierung

Während Geurten von der kulturhistorischen Bedeutung des Projekts spricht, denken viele Kommunalpolitiker vor allem an die Touristen, die die Baustelle anlocken könnte. Experten halten den Bau der mittelalterlichen Klosteranlage für durchaus lukrativ. Die Baustelle könnten jedes Jahr mindestens 180.000 Besucher sehen wollen, heißt es in einem Gutachten der Dualen Hochschule Ravensburg.

Damit wäre die Baustelle innerhalb kürzester Zeit rentabel. Ab 125.000 Besuchern pro Jahr ließen sich die Baukosten aus den Eintrittsgeldern finanzieren, rechnet Geurten vor. In den ersten Jahren, bis diese Grenze erreicht ist, müsste allerdings die Stadt Meßkirch eine Anschubfinanzierung von mehreren hunderttausend Euro leisten. Zugleich dürften 70 bis 80 Arbeitsplätze entstehen. Nach anfänglichen Bedenken zeichnet sich deshalb in den politischen Gremien eine Mehrheit für die Klosterstadt ab. Entscheidend ist nun, ob die Stadt dem Verein die nötige Anschubfinanzierung zur Verfügung stellt, worüber in den nächsten Monaten entschieden werden soll. (APA)