Yuki Matsuda (45) bildende Künstlerin und Unternehmerin aus Tokio, lebt derzeit bei Freunden im Burgenland, die ihre Ausreise organisierten.

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Standard: Sie sind vorige Woche aus Tokio nach Österreich gekommen. Wie war die Reise?

Yuki Matsuda: Ich habe acht Stunden am Flughafen verbracht und saß dann in einer Maschine, die eigentlich für Ausländer gedacht war, die das Land verlassen wollten. Auch am Flughafen waren großteils Ausländer zu sehen. Viele haben keinen Flug bekommen. Fast hätte ich deshalb mein Ticket hergegeben.

Standard: Warum sind Sie trotzdem ausgereist?

Matsuda: Zum Zeitpunkt des Bebens war ich in meinem Haus im Zentrum Tokios. Die Schäden sind enorm, und mit den zahlreichen Nachbeben wurde das Gefühl, dort nicht mehr sicher zu sein, größer. Am meisten Angst macht mir aber die Reaktorkatastrophe. Ich habe viele E-Mails von Freunden im Ausland bekommen, die geschrieben haben, wie gefährlich diese Situation außerhalb Japans eingeschätzt wird. Sie haben mir dringend zur Ausreise geraten.

Im Land selbst haben sich sowohl die Regierung als auch die Betreiber des Atomkraftwerks mit Informationen sehr zurückgehalten. Sicher auch, um keine Panik zu erzeugen. Ich habe das Gefühl, dass wir Japaner mit den Folgen eines Bebens und auch des Tsunamis - so schrecklich das alles auch ist - fertig werden können. Bei der Reaktorkatastrophe habe ich dieses Gefühl nicht gehabt.

Standard: Wurde darüber informiert, wie man sich gegen radioaktive Strahlung schützen kann?

Matsuda: Nein. Die Neuigkeiten zum Vorfall in Fukushima sind nicht ausreichend und kommen nur zeitverzögert bei der Bevölkerung an. Als der zweite Reaktor in Fukushima explodiert ist, haben wir es erst fast zwei Tage später davon erfahren.

Standard: Haben Sie Familienmitglieder in Japan zurückgelassen?

Matsuda: Nein, aber Freunde. Dieses Gefühl ist für mich schwer zu ertragen. Gleichzeitig war ich erleichtert, als ich im Flugzeug saß.

Standard: Wie wird es für Sie und Ihrem Land weitergehen?

Matsuda: Ich weiß es nicht. Es bleibt uns nur zu beten. Ich selbst werde nach spätestens drei Monaten nach Japan zurückkehren, weil dann auch das Visum abläuft. (Heidi Aichinger, DER STANDARD-Printausgabe, 22.3.2011)