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Die AKW-Betreiberfirma Tepco veröffentlichte am Montag dieses Bild. Eine Erklärung zum schwarzen Rauch aus Block 3 gab es nicht.

Foto: EPA/TEPCO / HANDOUT

Tokio/Wien - Die Situation im von Erdbeben und Tsunami havarierten Kernkraftwerk Fukushima war auch am Montag nicht unter Kontrolle. Immer wieder stiegen abwechselnd Rauch und Dampf empor. Was zumindest in der Beurteilung von außen eine entscheidende Rolle spielt: Wasserdampf ist ein Zeichen dafür, dass das zugeführte Meereswasser sein Ziel, nämlich die überhitzten Reaktorblöcke, in denen teilweise die Kernschmelze eingesetzt haben dürfte, trifft. Dunkler Rauch könnte von Bränden stammen. Das zum Teil stark verstrahlte AKW-Gelände musste immer wieder kurzfristig evakuiert werden.

Übersicht über Reaktoren:

Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco war der Versuch, Stromleitungen anzukoppeln, erfolgreich. Alle sechs Reaktoren seien zumindest mit Strom versorgt, das ist die wichtigste Voraussetzungen dafür, dass Kühlsysteme wieder in Gang gebracht werden können. Im Folgenden eine Übersicht, basierend auf Informationen der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Köln von Montagnachmittag:

  • Block 1: Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt, Kühlsysteme ausgefallen, Sicherheitsbehälter intakt; Gebäude von Wasserstoffexplosion schwer beschädigt; Stromversorgung zur Schaltanlage hergestellt; zuerst soll Beleuchtung installiert, dann Kühlwasserpumpe überprüft werden.
  • Block 2: Vermutungen über mögliches Leck im Containment unbestätigt; Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt, eigene Kühlsysteme seit Erdbeben nicht funktionsfähig; Reaktorgebäude leicht beschädigt; auch hier bereits Stromversorgung zur Schaltanlage; Abklingbecken, in dem benutzte Brennstäbe lagern, mit Meerwasser gespeist.
  • Block 3: Gilt wegen der Brennstäbe mit Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) als besonders gefährlich; Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt, Kühlsysteme off; Reaktorgebäude zerstört, Sicherheitsbehälter intakt; Abklingbecken mit Meerwasser besprüht.
  • Block 4: Schon länger keine Brennstäbe mehr im Reaktor; kritische Lage im Abklingbecken, das ebenfalls mit Wasserwerfern beschossen wird.
  • Blöcke 5 und 6: Sind heruntergefahren, haben Status "kalt und unterkritisch" erreicht; gelten seit Sonntag als gesichert.

"Insgesamt bleibt die Situation sehr ernst. Es gibt aber einige Zeichen einer Verbesserung", fasste der Generaldirektor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), Yukiya Amano, die Lage am Montag zusammen.

Weitere Vorwürfe

Gegen Tepco wurden indes weitere Vorwürfe erhoben. Bei der Inspektion des AKW Fukushima hat es offenbar massive Unregelmäßigkeiten gegeben. Das geht aus einem Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde hervor, der neun Tage vor dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami veröffentlicht worden war.

Demnach ließ Tepco 33 Teile der Anlage gar nicht inspizieren. Darunter hätten sich Notstromgeneratoren, Pumpen und andere Teile des Kühlsystems befunden, die dann vom Tsunami beschädigt wurden und deren Ausfall zu den massiven Problemen in dem Kraftwerk führte. Wie der Standard berichtete, hatte es schon vor der jüngsten Katastrophe immer wieder Kritik an Tepco wegen nachlässiger Wartung von Atomkraftwerken gegeben. (AFP, dpa, simo, DER STANDARD-Printausgabe, 22.3.2011)