Kung Fu macht feingeistig, theoretisch: Raekwon heute live in Trimmelkam.

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Trimmelkam - Die fernöstliche Goschenhauer- und Selbstbeherrschungsdisziplin Kung Fu gehört seit den Bruce-Lee-Filmen oder der gleichnamigen TV-Serie mit David Carradine zur westlichen Popkultur.

Anfang der 1970er vereinnahmten schwarze Subkulturen die Ikonografie und oft esoterischen Weisheiten des Kung Fu. Wie die Faust aufs Auge passen die konkurrierenden Kampfschulen zum Image des HipHop: Der neunköpfige Wu-Tang Clan aus Staten Island in New York spielt seit 1992 damit auf symbolischer Ebene.

Einer dieser Philosophen kommt nun für einen einzigen Auftritt nach Österreich: Raekwon. Auch bei ihm sind Samples aus einschlägigen Filmen beliebt - wobei solche schon Grandmaster Flash in den 1970ern verwendete.

Raekwon, der mit bürgerlichem Namen Corey Woods heißt, kombinierte 1995 am Album Only Built For Cuban Linx ... Raps über die Mafia und das organisierte Verbrechen mit Samples alter Soulgruppen oder Filmdialogen aus Scarface.

Es folgten drei weitere Soloplatten, darunter 2009 die Fortsetzung der Mafia- Geschichten Only Built For Cuban Linx ... Pt. II. Letztes Jahr erschien ein Gemeinschaftswerk von Ghostface Killah, Method Man und Raekwon: Wu-Massacre. Eben erst erschienen ist das fünfte Solowerk Raekwons: Shaolin vs. Wu-Tang.

Entstanden ist es unter Mitwirkung des verbliebenen Clans sowie befreundeter Kräfte. Raekwon verwendet wieder Versatzstücke aus Kung-Fu und Comics. Morgen absolviert der Hip-Hopper seinen einzigen Österreich-Auftritt: aggressive Raps, pumpende Beats, aber auch Soul-Feeling sind garantiert. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD - Printausgabe, 25. März 2011)