Gaza/Israel - Die Auseinandersetzung um den Gazastreifen spitzt sich zu. Auf palästinensisches Raketenfeuer antwortete Israel mit mehreren Luft- und Artillerieangriffen. An einem Tag wurden allein acht Palästinenser getötet, unter ihnen zwei Jugendliche, die beim Fußballspielen von einer Rakete überrascht wurden. Eine der Raketen aus dem Gazastreifen landete nahe dem israelischen Ort Yavneh, 20 Kilometer von Tel Aviv entfernt. Die Angst vor einem neuen Krieg wächst.

Neben den Al-Kassam-Brigaden der Hamas sind es auch andere bewaffnete Milizen, wie die Armee des Islam und der Islamische Jihad, die Raketen auf Israel abfeuern. Sie führen den Krieg gegen Israel auch, um "muslimisches Land" von Ungläubigen und westlichem Imperialismus zu befreien. Mit ihren Angriffen setzen sie die Hamas unter Zugzwang, ebenfalls bewaffneten Widerstand zu leisten, auch wenn die Hamas-Führung die Milizen zu einer Waffenruhe aufforderte. Ein Palästinenser, der im Gazastreifen für eine Internationale Organisation arbeitet, sagte dem Standard: "Das politische Kalkül hinter den Raketenangriffen ist ja nicht, Israelis zu töten, sondern Widerstand gegenüber der eigenen Bevölkerung zu beweisen." Für die meisten Palästinenser im Gazastreifen seien die Angriffe auf Israel "legitimer Widerstand" , aber aktiv unterstützen würden sie viele, aus Angst vor israelischen Gegenangriffen, nicht.

Die Hamas ist in Bedrängnis. Von außen droht ihr ein israelischer Großangriff, von innen die eigene Bevölkerung, die zuletzt zu Tausenden bei Protesten die Wiedervereinigung der verfeindeten Parteien Hamas und Fatah forderte. Die Raketenangriffe könnten für die Hamas auch ein Weg sein, die Aufmerksamkeit von sich weg zurück auf Israel zu lenken.

Israel sei jedenfalls bereit, mit "großer Kraft" auf die Raketen- und Granatenangriffe aus dem Gazastreifen zu reagieren, warnte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. (Andreas Hackl/DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2011)