Wien - Eben hat der serielle Unternehmensgründer Daniel Mattes mit Eduardo Savarin, dem milliardenschweren Facebook-Mitgründer, einen prominenten Investor an Bord seines Payment-Start-ups Jumio geholt, und in wenigen Wochen soll das Onlineservice den Betrieb aufnehmen.

Dennoch will Mattes das Geheimnis, wie er Onlinezahlungen revolutionieren will, "leider noch nicht" lüften. "Das Produkt wird von jedem innerhalb von fünf Sekunden verstanden. Darum muss ich meinen first mover advantage bis zum letzten Tag nutzen", erklärt er im Gespräch mit dem Standard. Aber er beschreibt, welches Problem die in Linz und Mountain View im Silicon Valley beheimatete Jungfirma lösen will: "Wenn man bei Starbucks zahlt, zieht man eine Kreditkarte bei der Kasse durch und fertig", sieht er in der "Offline-Welt" das Thema Bezahlung gelöst: Einfach, relativ billig, "und Starbuck hat kein Risiko, auch wenn es eine gestohlene Karte war. Das bisschen Betrug decken die Kreditkartenfirmen selbst ab".

Online hingegen müssen bei einer Bezahlung vielstellige Kreditkartennummern, Sicherheitscodes, Geburtstage und Adressen angegeben werden, und wenn man sich im Prozess einmal vertippt, kann das leicht zur völligen Verweigerung eines Websites kommen, aus Sicherheitsgründen. "Ich verstehe ja, warum die das machen, in den USA beträgt der jährliche Schaden durch Onlinebetrug 190 Milliarden Dollar, und das Risiko tragen die Anbieter, weil die Kreditkarte bei der Transaktion nicht vorgelegt wird", sagt Mattes. Diese Kosten zahle letztlich der Konsument, da sie in den Preise einkalkuliert sind. "Da sehe ich das Problem. Es muss online so einfach sein wie offline. Und das gehört gelöst."

Mit fünf Onlineanbietern werde das Produkt zunächst online gehen, anhand der Erfahrungen soll es perfektioniert werden. Am Anfang stehen kleinere Kunden, große wie Amazon wären "am Ende des Tages der optimale Kunde", hofft Mattes. "Wir haben als Investor Mark Britto an Bord, der das Payment für Amazon geleitet hat. Aber mit Kalibern wie Amazon spricht man erst dann, wenn man am Markt etabliert ist."

"Attraktiver Standort"

Über seine Erfahrungen als Entrepreneur - und dann wohl auch schon über das konkrete Produkt von Jumio - wird hingegen Mattes bereits am 28. April 2011 in Wien bei der Innovationskonferenz Sime sprechen. Das Event präsentiert digitale Trends und ihre Macher in Wien, zusammen mit lokalen Start-ups und Entwicklungen. derStandard.at ist Medienpartner der Veranstaltung.

"Ich bin begeistert, dass es jetzt in Österreich diese internationale Konferenz gibt und wir damit auf die digitale Landkarte gesetzt werden und von der digitalen Economy wahrgenommen werden", sagt Mattes, der vor Jumio den Internettelefonieservice Jajah mitgründete. Jajah wurde Ende 2009 um rund 145 Millionen Euro von Telefonica gekauft.

"Ich habe mich beim Standort meiner Entwicklungsabteilung bewusst für Linz entschieden, weil es hier Spitzenleute gibt und es auch für Leute aus dem Ausland ein attraktiver Standort zum Leben ist", sagt Mattes. Derzeit arbeiten rund 35 Entwickler in Linz, 100 bis 150 Mitarbeiter könnten bei guter Entwicklung hier tätig sein. Mit der Fachhochschule Hagenberg gibt es eine Partnerschaft bei Masterstudien.

"Es gibt Unternehmen in Österreich, die gute Ideen und internationales Potenzial haben. Das kann man beschleunigen, denn denen fehlt vor allem der Austausch - der findet in Silicon Valley überall statt, in der Früh bei Starbucks oder am Abend bei Mixer-Events. Networking ist da extremst organisiert, man kann jeden Abend zu ein zwei Netzwerkveranstaltungen gehen und findet Gleichgesinnte. Dieses Ökosystem fehlt in Österreich. Und es gibt ein Kapitalproblem", sieht er eine Chance, dass Veranstaltungen wie Sime diese Lücke füllen können. "Wenn man eine internationale Konferenz herholt, bin ich überzeugt, dass eine gute Idee am Ende des Tages auf einen Geldgeber und auf Partner trifft." (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.3.2011)