Wien - Der Übergang von einem fossil dominierten Energiesystem, wie wir es derzeit in Europa haben, auf ein überwiegend an erneuerbaren Quellen orientierten Mix ist in einer Hauruckaktion nicht zu schaffen. Selbst in Österreich, wo die Voraussetzungen aufgrund des hohen Wasserkraftanteils besser sind als anderswo, bedürfte es einer Kraftanstrengung. "Die Ökostromförderung ist nicht das Allheilmittel", sagte der Chef der Regulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz. Energiesparen sei angesagt.

Boltz und Martin Graf, die seit kurzem die Doppelspitze in der E-Control bilden, verwiesen auf die Situation in Österreich und Deutschland, wo es in den vergangenen zehn Jahren trotz aller Fördermilliarden nicht gelungen sei, selbst den Zuwachs des jährlichen Stromverbrauchs mit Strom aus erneuerbaren Quellen abzudecken.

In Österreich summieren sich die Stützungen des teuer erzeugten Stroms aus Wind, Sonne oder Biomasse auf etwa 340 Mio. Euro, die sich 2012 mit Inkrafttreten des neuen Ökostromgesetzes auf etwa 480 Mio. Euro erhöhen dürften. In Deutschland liegt die Fördersumme bei rund 13 Mrd. Euro pro Jahr.

Das von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bei der Vorstellung der Grundzüge des neuen Ökostromgesetzes ausgegebene Ziel, bis 2015 den Atomstromimport durch Ausbau der Erneuerbaren zu kompensieren, gehe nur bei einer deutlichen Abflachung der Verbrauchskurve. Im Moment seien wir nach dem krisenbedingten Rückgang des Stromkonsums wieder auf dem altgewohnten Wachstumspfad: knapp zwei Prozent mehr Stromverbrauch pro Jahr.

Bei Stabilisierung des Stromverbrauchs sei es allerdings sehr wohl möglich, den Atomstromimport in der Größenordnung von drei (Gesamtverbrauch in Österreich: 55) Terawattstunden zu kompensieren. Die Regierung müsse Sorge tragen, dass der Leitungsbau rascher vonstattengeht. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.3.2011)