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ein Demonstrant in Damaskus mit den Slogans "Ja zur Freiheit, nein zur Gewalt" auf den Handflächen.

Besonders in den Städten im Süden des Landes wurde am Freitag demonstriert. Die Menschen riefen "Freiheit" und Slogans gegen Mitglieder der Familie Assad. In Sanamein wurde eine Statue des verstorbenen Präsidenten Hafiz al-Assad in Brand gesetzt.

Foto: AP/Salman

Der Druck auf das Regime Assads in Syrien wächst. Am Freitag kam es zu Kundgebungen in etlichen Städten. Im Süden des Landes erschossen laut Al Jazeera Sicherheitskräfte wieder mindestens zwanzig Demonstranten.

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Damaskus/Deraa - Trotz der Bemühungen des syrischen Regimes am Donnerstag, Öl auf die Wogen zu gießen, haben sich Demonstrationen und die Reaktionen darauf am Freitag weiter zugespitzt. Syrische Sicherheitskräfte haben dem katarischen TV-Kanal Al Jazeera zufolge mindestens 20 Menschen in der Ortschaft Sanamein im Süden des Landes erschossen. Dies wurde unter Berufung auf einen Augenzeugen berichtet.

Sanamein liegt in der Nähe von Deraa, wo ebenfalls kurz zuvor Demonstranten fluchtartig in Deckung gingen, nachdem plötzlich Schüsse zu hören waren. Zuvor hatten die Demonstranten unter anderem eine Statue des früheren Präsidenten Hafiz al-Assad, dem verstorbenen Vater des derzeitigen Staatschefs Bashar al-Assad, in Brand gesetzt.

Tausende hatten sich in Deraa an einem Trauermarsch beteiligt. Sie gedachten der 40 Menschen, die zwei Tage zuvor bei einem Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten getötet worden waren. Auch in den nahegelegenen Ortschaften Daael und Sheikh Maskin versammelten sich hunderte Menschen zu Protesten, wie ein Reporter berichtete. Ausländische Journalisten durften am Freitag nicht nach Deraa. Sicherheitskräfte schickten sie wegen fehlender "Sicherheitsgenehmigungen" wieder weg, berichtete eine Korrespondentin der BBC.

Slogans in Deraa richteten sich am Freitag auch gegen den Bruder des Präsidenten, Maher al-Assad, der die Nationalgarde befehligt. Auf die Schüsse von Mittwoch bezogen, riefen die Demonstranten: "Maher, du Feigling, geh und befrei lieber den Golan." In etlichen anderen syrischen Städten wie Aleppo, Hama, Homs und Latakiya kam es ebenfalls zu Solidaritätskundgebungen tausender Menschen, und auch in Damaskus, wo dutzende festgenommen wurden. An den Demonstrationen auf dem Marja-Platz im Zentrum der Stadt und in der südwestlichen Vorstadt Mezzeh hatten jeweils ein paar hundert junge Leute teilgenommen, berichteten Augenzeugen. Sie riefen "Deraa ist Syrien" und "Wir opfern uns für Deraa" . Gleichzeitig fuhren rund tausend Anhänger Assads mit ihren Autos durch Damaskus, schwenkten syrische Fahnen und riefen: "Das ist das Syrien von Al-Assad!"

Vor der Omayyaden-Moschee im Zentrum der Altstadt von Damaskus zogen nach dem Ende des Gebets dutzende Demonstranten durch den Basar, dabei trafen sie auf Regimeanhänger, die mit Slogans wie "Bei unserem Blut, bei unserer Seele, wir opfern uns für Bashar" auftraten. Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen den Gruppen.

Das Regime schien am Donnerstagabend eine Kehrtwende zu vollziehen, als Präsidentensprecherin Buthaina Shaaban politische Reformen ankündigte. Sie nannte die Forderungen der Demonstranten legitim und betonte, dass der Präsident den Sicherheitskräften ausdrücklich befohlen habe, keinen Schuss abzugeben. Shaaban nannte die Medienberichte zu den Protesten und den Toten aber auch übertrieben und von außen gesteuert. (Reuters, AFP, dpa, guha/DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2011)