Auf der Mittelmeerinsel Lampedusa wächst der Protest wegen der nicht abreißenden Flüchtlingswelle aus Tunesien. Einige Fischer blockierten mit Booten den Zugang zum Hafen Lampedusas. Damit wollen sie die Landung weiterer Migranten verhindern. Eine Gruppe von Frauen kettete sich aus Protest am Eingang des Hafens an. "Wir sind von allen verlassen worden. Wir wollen unsere Freiheit zurück", betonten die Demonstranten. Aus Protest wurden einige Müllcontainer umgekippt.

Der Protest eskalierte, nachdem ein Ehepaar auf Lampedusa angeblich von sechs Migranten angegriffen wurde, das in seine Wohnung eingedrungen war. Ein 58-jähriger Mann wurde verletzt, aus der Wohnung wurden Schmuck und einige Uhren gestohlen.

Hungerstreik

Auch unter den Migranten wächst die Spannung. Eine Gruppe tunesischer Migranten, die mit Flüchtlingsbooten die Insel erreicht haben, traten in einen Hungerstreik. Damit protestierten sie gegen unmenschliche Bedingungen auf der Insel, auf der sich 5.500 Migranten befinden. Die meisten Flüchtlinge konnten nicht im einzigen Auffanglager der Insel untergebracht werden und müssen in Zeltlagern übernachten. Die Migranten protestierten wegen den schwierigen hygienischen Bedingungen und den langen Wartezeiten für die Mahlzeiten. Sie verlangten, aufs Festland geführt zu werden. In den vergangenen 24 Stunden erreichten rund 2.000 Migranten die Insel.

Italiens Gesundheitsminister Fabrizio Fazio entsandte seine Inspektoren auf Lampedusa, die feststellen sollen, ob Gefahren für die öffentliche Gesundheit bestehen. "Es gibt unserer Ansicht nach keine Epidemiegefahr, allerdings ein großes hygienisches Problem", meinte Fazio.

Zeltlager geplant

Inzwischen wird ein großes Zeltlager unweit der sizilianischen Stadt Trapani errichtet, wo ein Teil der Migranten aus Lampedusa untergebracht werden soll. Das Zeltlager soll unweit der Militärflughafens entstehen, von dem in den vergangenen Tagen italienische Tornados für Militäreingriffe in Libyen abgefahren sind.

Italiens Innenminister Roberto Maroni berichtete, dass seit Jahresbeginn 18.000 Migranten auf Lampedusa eingetroffen seien. 13.000 seien in Auffanglagern in Italien untergebracht worden. "Wir sind zur Zwangsabschiebung bereit, sollte sich Tunesien in den nächsten Tagen nicht für die Rückübernahme der Migranten einsetzen", sagte Maroni in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag.

Maroni bemängelte, dass sich Tunesien verpflichtet habe, Maßnahmen gegen die Abfahrt der Migranten von seinen Küsten zu ergreifen, die Massenfluchten seien jedoch nicht gestoppt worden. Maroni appellierte auch an die EU um Hilfe. "Die ganze EU muss sich um die Frage der Flüchtlinge aus Nordafrika kümmern", so der Innenminister. (APA)