Prag  - Nun hat ein weiterer Politiker einen Plagiatsvorwurf am Hals. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Brünn (Brno), Roman Onderka, hat keine Hinweise auf die von ihm verwendeten Quellen gegeben. Die staatliche Akkreditierungskommission, die die Lizenzen den Universitäten und Hochschulen erteilt, ließ seine Bakkalaureus-Arbeit kam deshalb zum Schluss, dass diese "ungenügend" sei. "Eine derartige Arbeit sollte nicht einmal zur Verteidigung (Abschlussprüfung, Anm.) zugelassen werden", sagte die Chefin der Akkreditierungskommission, Vladimira Dvorakova Zeitungsberichten zu folge.

Arbeit ist zu kurz

Die Kommission wirft Onderka vor, keine Hinweise auf die von ihm verwendeten Quellen zu geben, sodass man nicht erkennen könne, was zitiert und was die Behauptung des Autors sei. Außerdem sei die Länge der Arbeit unzureichend. Diese habe zwar die vorgeschriebenen mindestens 40 Seiten, allerdings sei der Text um 11.000 Zeichen kürzer als vorgeschrieben.

Onderka weist Vorwürfe von sich

Onderka wies die Vorwürfe zurück. "Ich habe meine Bakkalaureus-Arbeit im Einklang mit allen Bedingungen der Hochschule und zum festgelegten Termin abgegeben, diese ordentlich verteidigt und den Bakkalaureus-Titel erhalten", betonte Onderka, der an einer private Hochschule in Brünn studiert hatte. Das Thema seiner Arbeit war das "Informationssystem der öffentlichen Verwaltung".

Auch Arbeit der Bürgermeister-Stellvertreterin "unannehmbar"

Ähnliche Probleme hat seine konservative Stellvertreterin Jana Bohunovska. Sie hat ihr Studium an einer privaten Hochschule absolviert. Ihre schriftliche Arbeit war laut der Akkreditierungskommission "unannehmbar", weil diese zum großen Teil mehrseitige Transkriptionen von Gesetzen beinhaltet habe. Bohunovska erklärte dazu, sie sei sich keiner schwerwiegenden Mängel bewusst.

Mehrere Politiker promovierten in viel kürzerer Zeit als vorgeschrieben

Das Studium tschechischer Politiker und anderer Prominenter war bereits mehrmals ein Thema in Medien. Die größte Affäre hatte es an der juridischen Fakultät der staatlichen Westböhmischen Universität in Plzen (Pilsen) gegeben, als ans Licht gekommen war, dass mehrere prominente Studenten, darunter Kommunalpolitiker und Polizisten, das normalerweise fünf Jahre dauernde Regelstudium in viel kürzerer Zeit absolviert hatten, einige sogar in ein paar Monaten. Dort promovierte auch der frühere Kurzzeit-Premier Stanislav Gross. (APA)