Wien - Wir befinden uns im GAL, dem Galaxy Amusement Laboratory, und sehen von einer Beobachtungsplattform auf den Planeten Erde, der nach seinem gewaltvollen Tod im Brut Wien auf dem Seziertisch liegt. Die Performancegruppe Toxic Dreams reist in The 100 % Environmentally Friendly Show durch die Geschichte der Welt, die mit jener des Menschen verbunden ist. Aus der Zukunft klingen Stimmen, die von der Verbannung aus dem Paradies, von der Fleischeslust und dem Konsum berichten.

Zwischen unkonventionellen, detailreichen Bühnenideen und einer ironischen Aufarbeitung unserer Umweltsünden werden Emissionen ausgestoßen, die für Beklommenheit im Dunstkreis der Atmosphäre sorgen. In elf Kapiteln schildert das Ensemble verschiedene Etappen der ökologischen Krise und verbindet Gesellschaftskritik mit Mythologien.

Trockene Zahlenstatistiken über die ungleiche Verteilung der Ressourcen werden beim Backhendlschmaus analysiert, woraus folgt: je entwickelter das Land, desto größer der Appetit auf Fleisch - und auf Lifestyle-Tofu. Für all jene, die sich damit von Gewissensbissen freikaufen wollen.

Wir leben auf zu großem Fuß, das ist die zentrale Aussage der umwelterzieherischen Darbietung, die sich im Wechselspiel erzählerischer Mittel, durch vielfältige Körpersprachen und Visualisierungen ausdrückt. Selbst diese Theaterproduktion hat einen beträchtlichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, der vom Institut für Soziale Ökologie der Uni Klagenfurt berechnet wurde.

Um aber dem Namen der Show gerecht zu werden und hundertprozentig umweltfreundlich zu sein, ist das Publikum aufgefordert, Kompensationen zu leisten: einen Tag nur Gemüse zu essen, zu duschen, statt ein Vollbad zu nehmen, oder den nächsten Theaterbesuch auszulassen. Letzteres wird angesichts dieser klugen Performance schwerfallen. Sie versteht ohne Sentimentalität und mit verspielter Didaktik eine neue Herangehensweise an das Dauerthema Ökologie zu finden und Bewusstseinsbildung zu fördern. (Sebastian Gilli/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 3. 2011)