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Höher ging's noch nie. Neil Armstrong war der erste Mann auf dem Mond und blieb einer der wenigen.

Foto: Illustration: Fatih Aydogdu, Fotos: AP/Nasa (2), dpa

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Eine Computersimulation zeigt den Satelliten beim Umkreisen des Planeten Merkur.

Foto: EPA

Es gibt schönere Reiseziele als den Merkur - in jedem Fall für Menschen, sicher auch für Satelliten: Rund um den Planeten, der der Sonne am nächsten liegt, herrscht nicht nur extrem hohe Strahlung, auch hohe Temperaturen bis zu 450 Grad setzen der Technik zu. Eine der größten Herausforderungen bei der Planung einer solchen Mission ist aber das Einschwenken des Satelliten in den Orbit des Planeten. Die starke Gravitation der Sonne macht dieses Manöver zu einer komplizierten Angelegenheit.

Anfang der 1970er-Jahre gelangte die Sonde Mariner 10 zum Merkur und fotografierte etwa 45 Prozent der Planetenoberfläche. Zuletzt gelang es der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa, den Satelliten Messenger nach mehr als sechs Jahren Flugzeit in die Umlaufbahn des Planeten zu lenken. 2014 soll schließlich die europäisch-japanische Mission Bepi Colombo auf die Reise zum Merkur gehen, mit einer Kombination von Treibstofftechnologien: einem Ionenantrieb, der wenig Treibstoff braucht und höhere Geschwindigkeit bei großen Entfernungen erzielt, und einem chemischen Antrieb, der ein Abbremsen beim Merkur ermöglicht, damit die Sonde nicht an der Planetenoberfläche zerschellt.

Die Mission schickt eigentlich zwei Raumsonden im Huckepacksystem auf die Reise. Die europäische soll die Oberfläche des Planeten scannen und analysieren, die japanische untersucht das Magnetfeld. Benannt wurde Bepi Colombo nach dem gleichnamigen italienischen Ingenieur und Mathematiker, der an Mariner 10 beteiligt war und die Flugbahn berechnete, die eine Sonde zurücklegen muss, um schnell zum Merkur zu gelangen.

Wie bei vielen anderen Satellitenmissionen sind auch hier österreichische Wissenschafter und Forschungsunternehmen beteiligt: Das Grazer Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) baut insgesamt drei Instrumente, davon zwei Magnetometer, mit denen die Untersuchung des Magnetfelds gelingen soll. Ähnlich komplexe Entwicklungen kommen aus Wien: Die Steuerungselektronik für die Solarpaneele, die Positioniermechanismen für die elektrischen Triebwerke, die Thermalisolation, um den Satelliten vor der extremen Temperatur zu schützen, sowie ein Equipment für umfassende Bodentests kommen von Ruag Space Österreich (vormals Austrian Aerospace).

Wien lenkt

Das Gesamtvolumen für den Auftrag beträgt rund 23 Millionen Euro, jubelte man kürzlich am Standort Breitenfurter Straße in Wien-Meidling. Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren als führender Anbieter von Positioniermechanismen für elektrische Antriebe etabliert, weshalb auch die "Lenkung" von Bepi Colombo aus Wien kommen wird: Ruag hat mit einem Entwicklungsaufwand von rund 60.000 Stunden den Mechanismus, mit dem die Schubrichtung der vier elektrischen Triebwerke kontrolliert werden kann, und die dazugehörige Steuerungselektronik entwickelt und gebaut.

Dieser nach Unternehmensangaben größte Einzelauftrag, der bisher in einem Programm der Europäischen Weltraumagentur Esa nach Österreich vergeben wurde, hat ein Volumen von elf Millionen Euro. Derzeit wird das erste Entwicklungsmodell des Mechanismus umfangreichen Tests im Reinraum unterzogen, im kommenden April soll geliefert werden. Neben den Aufträgen für Bepi Colombo werden auch 14 Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo von Ruag ausgestattet, dieser Auftrag beläuft sich auf 35 Mio. Euro.

In Sachen thermische Isolierung bezeichnet sich Ruag Space als Marktführer in Europa. Das Unternehmen hat auch einen Weg gefunden, diese Weltraumtechnologie terrestrisch anzuwenden. Mittlerweile wird jeder zweite Magnetresonanztomograf in Wien ausgestattet.

Mittlerweile gibt es 50 heimische Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die wie Ruag Space vom österreichischen Weltraumprogramm ASAP des Infrastrukturministeriums und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt werden. Die ursprünglich bescheidenen Umsätze der heimischen Weltraumindustrie haben sich zwischen 2003 und 2009 immerhin von 32 auf 75 Mio. Euro mehr als verdoppelt. (pi, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 30.03.2011)