Wien - Österreichs Industrie wächst nach Einschätzung der Bank Austria weiter stark, allerdings in etwas gedrosseltem Tempo. Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) sei im März leicht auf 60,6 Punkte (Februar: 61,9) zurückgegangen, habe aber dennoch den zweithöchsten je gemessenen Wert erreicht, teilte die Bank heute, Mittwoch, mit. Die Bankökonomen halten an ihrer Wachstumsprognose für den Sektor von heuer real 6 Prozent, nach 6,7 Prozent 2010, fest.

Das Wachstum der Neuaufträge sei weiterhin sehr hoch, doch langsamer und auch das Beschäftigungswachstum habe an Schwung verloren. Die Produktion sei im März stärker als im Vormonat ausgeweitet worden. Erstmals seit vielen Monaten habe sich die Relation Einkaufs- zu Verkaufspreisen für die Industrie verbessert. Der Produktionsindex sei im März auf 61,2 (Februar: 60,1) gestiegen. "Das ist die stärkste Ausweitung der Produktion seit einem Jahr und die zweitstärkste überhaupt in der 13-jährigen Geschichte der Erstellung des Index", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Kostendruck bleibt hoch

Das nachlassende Tempo beim Anstieg der Neugeschäfte und die steigenden Lager sprächen dafür, dass die Industrie die dynamischste Wachstumsphase bereits hinter sich gelassen habe, so Bankökonom Walter Puschedl. Die höheren Einkaufspreise hätten besser in den Verkaufspreisen untergebracht werden können. Damit habe sich die Ertragssituation im Durchschnitt erstmals sei einem halben Jahr wieder entspannt. Der Kostendruck bleibe aber angesichts der Rohstoffpreisentwicklung hoch.

Trotz einiger Signale, dass der Wachstumszenit bereits überschritten sein dürfte, fahre die Industrie weiter ein hohes Tempo, so die Bank-Austria-Volkswirte. Die Auftragslage verbessere sich, die Auftragspolster wachsen. Das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen sei zwar leicht rückläufig aber weiterhin positiv. In der Vergangenheit sei dies ein sicherer Indikator für eine anhaltend dynamische Entwicklung in der Industrie gewesen. "Trotz steigender Risiken, wie dem spürbaren Aufwärtstrend der Preise, der aufkeimenden Unsicherheiten infolge der Lage in Nordafrika bzw. in Japan nach dem Erdbeben und dessen Auswirkungen auf die Produktionskette, macht der aktuelle Bank Austria Einkaufsmanagerindex deutlich, dass die heimische Industrie auch in den kommenden Monaten einen kräftigen Aufwärtstrend halten wird," so Bruckbauer.

Die besten Wachstumsaussichten sehen die Bank-Austria-Experten für Maschinenbau und Metallwarenerzeugung, für die mit plus 10 Prozent bzw. plus 8 Prozent ein stärkerer Produktionsanstieg als im Vorjahr erwartet wird. Schwächer als 2010 werde die Fahrzeugindustrie mit plus 9 Prozent wachsen. Durch die Verlagerung vom Investitionsgütersektor auf konsumorientierte Bereiche werde das Industriewachstum heuer branchenmäßig ausgeglichener ausfallen.

Auch regional werde die Industriedynamik ausgeglichener sein. 2010 seien auf zyklische Branchen ausgerichtete Bundesländer wie Steiermark oder Kärnten um 17 bzw. 14 Prozent gewachsen, während sich etwa Niederösterreich und Wien nur verhalten erholt hätten. 2011 sieht die Bank Austria die besten Wachstumschancen für breit aufgestellte Industrie-Bundesländer wie Vorarlberg und Oberösterreich. "Wien und Niederösterreich werden zwar vorerst noch etwas hinterherlaufen, aber der Abstand zu den regionalen Spitzenreitern des Industriewachstums wird sich deutlich reduzieren", erwartet Bruckbauer. (APA)