Wien - Ö1 plant,  die  Radiosendung "Patina", bei der historische Archivaufnahmen von Schauspielern zu hören sind, ab Juni abzusetzen. Am Mittwoch protestierte die IG Autoren in einem offenen Brief: "Wir fordern den ORF auf, sich nicht zum Totengräber seiner eigenen Geschichte und geschaffenen kulturellen Werte zu machen." 

"Diese Aufnahmen sind einzigartige Dokumente über den Umgang mit dem gesprochenen Wort, seine hörfunkgerechte Aufbereitung und Gestaltung, zur Vortragsweise und zum Witz gesprochener Sprache", schrieb Gerhard Ruiss im Namens de IG-Autoren-Vorstandes: "Wird der ORF die Vorführung aller historischen Musikaufnahmen ebenfalls aus dem Programm nehmen? Wird er Aufnahmen unter Toscanini, Furtwängler, Walter, Karajan eliminieren - nur weil sie 'alt' sind oder vielleicht jemandem nicht in den Kram passen?" Für  Ruiss  sei "Patina" mit einer halbstündigen Radiosendung pro Woche ohnehin geradezu lachhaft gering präsent gewesen.

 Ö1-Chefin Bettina Roither erläuterte das Ende der Sendung in ihrer bisherigen Form: "Sie läuft aus, weil der einzige Mensch, der diese Sendung je produziert hat, in Pension geht." Man arbeite allerdings bereits an einem neuen Format, das "Patina" und die im Dezember eingestellte Satiresendung "Welt Ahoi!" vereine, wenn der Stiftungsrat am 12. Mai zustimme. Dieser muss noch über das neue Ö1-Sendeschema entscheiden.

Da "Patina"-Prodzent Roland Knie nach zwölf Jahren in Pension gehe, werde man ein neues Format vorstellen, wenn Anfang Juni die vorproduzierten Sendungen auslaufen, so Roither. Dies bedeute nicht das Ende der Präsenz von historischen Tondokumenten in Ö1. Im Gegenteil werde es diese auch weiterhin am Sonntagsvormittag sogar in einem einstündigen Format geben. Man plane eine Verschränkung von Archivmaterial mit aktuellen gesprochenen Texten. "Das gesprochene Wort genießt gerade in Ö1 einen ganz besonderen Stellenwert, sowohl was Gegenwartstexte als auch was die Leistungen vergangener Autoren und Interpreten betrifft", so Roither. (APA)