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Das Gebäude der Provinzregierung in Tikritam Tag nach dem angriff

Foto: AP/dapd/Karim Kadim

Tikrit/Bagdad - Der Anschlag erinnert in Art, Dimension und Folgen an den Überfall auf eine Kirche in Bagdad im Oktober 2010: Auch damals hatte ein - der al-Kaida zuzurechnendes - Kommando das Gebäude gestürmt und dutzende Menschen als Geiseln genommen und begonnen, sie zu töten. Bei der Erstürmung der Kirche waren 52 ums Leben gekommen.

Die Bilanz beim Überfall auf die Provinzregierung in Tikrit am Montag ist noch blutiger: 65 Tote und hundert Verletzte. Die schwer bewaffneten Angreifer, einige davon mit Sprengstoffwesten ausgerüstet - wobei einer den Weg freigesprengt haben dürfte -, stürmten das Gebäude in Saddam Husseins Heimatstadt und verschanzten sich mit den Geiseln. Beim Angriff der Sicherheitskräfte eskalierte die Lage. Einige Angreifer dürften geflohen sein, sechs wurden getötet. Über Tikrit wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Unter den toten Opfern ist ein irakischer Reuters-Journalist, die anderen sind in der Mehrheit Angestellte der Provinzbehörden und Kunden. Angriffe gegen offizielle Stellen in der Provinz Salahuddin, die nach 2005 teilweise in der Hand von Aufständischen war, sind relativ häufig. Premier Nuri al-Maliki gelobte in Bagdad, die Verantwortlichen zu finden. Seine noch immer unfertige - es fehlen die Sicherheitsminister - Regierung steht unter Verdacht, die Sicherheit nicht garantieren zu können. Mitte des Jahres sollen die letzten 50.000 US-Truppen definitiv den Irak verlassen. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2011)