Dieser Mann kann es sich aussuchen: Während seine Minister in die Niederungen der Politik hinabsteigen müssen, um Roma-Siedlungen zu schleifen oder den Libyen-Militäreinsatz zu rechtfertigen, gefällt sich der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in seiner Rolle als Heilsbringer. "Ich verspreche, dass ich Lampedusa innerhalb von 48 bis 60 Stunden befreien werde", verkündete er vollmundig bei seiner Blitzvisite auf der Flüchtlingsinsel im südlichen Mittelmeer und nahm selbstgefällig lächelnd die Jubelrufe der Bewohner entgegen, als er versprach, die Insel für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Kaum ein Wort darüber verlor er, wo die tausenden Flüchtlinge tatsächlich enden werden.

Smarte PR, muss man schon sagen. Für zumindest einige Tage ist der Cavaliere nicht mehr der Unhold, sondern der Held - so war er es schon bei der Müllkrise in Neapel und nach dem Erdbeben in L'Aquila.

Auf dieser Welle der Erleichterung hofft Berlusconi nun reiten zu können, zumindest während der ersten Tage des nächste Woche beginnenden "Ruby-Prozesses". Seine Strategie ist es, sich selbst als unentbehrlichen Macher und die Gegner als kleinliche, frustrierte Kampagnenreiter darzustellen. Dafür kam Lampedusa wie gerufen. Und für bereits laufende Verfahren erlässt er ein Gesetz, dass die Verjährungsfristen verkürzt. Wenn es sein muss, wird es im Parlament durchgeprügelt - im wahrsten Sinne des Wortes. (Gianluca Wallisch, STANDARD-Printausgabe, 1.4.2011)