Bulldoggfledermaus mit Motte im Maul. Als Schädlingsbekämpfer sind die Tiere unbezahlbar.

Foto: Merlin D. Tuttle, Bat Conservation International

Washington/Wien - Den nordamerikanischen Fledermäusen geht es gar nicht gut. Zum einen setzt ihnen eine tückische Pilzkrankheit zu, mit der sich beim Winterschlaf in ihren Kolonien anstecken. Dieses 2006 entdeckte sogenannte White-Nose-Syndrom hat bereits mehr als eine Million Tiere dahingerafft. Zum anderen fallen migrierende Artvertreter aus nicht ganz geklärten Gründen massenweise den Windkraftwerken zum Opfer.

Eh nicht so schlimm, da es sich "nur" um Fledermäuse handelt? Nein, denn neue Berechnungen eines internationalen Forscherteams kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Forscher um Justin Boyles von der südafrikanischen Universität Pretoria schätzen im US-Wissenschaftsmagazin Science (Bd. 332, S. 41), dass die Fledermäuse der nordamerikanischen Landwirtschaft rund 22,9 Milliarden Dollar jährlich sparen helfen - vor allem durch ihre Aktivitäten als Schädlingsbekämpfer.

Die Biologen geben einerseits zwar zu, dass dieser Wert zwischen 3,7 Milliarden und 57 Milliarden Dollar schwankt. Andererseits sind darin nur jene Kosten enthalten, die man sich durch geringere Verwendung von Insektiziden erspart. Die Folgeschäden, die chemische Keulen an Mensch und Umwelt anrichten, sind dabei nicht mitgerechnet.

Etwas genauer sind die Schätzungen von Boyles und seinen Kollegen, was das Fressverhalten einer einzigen Kolonie von rund 150 Mausohrfledermäusen betrifft. Wie die Forscher errechneten, vertilgen die Flattertiere fast 1,3 Millionen Insekten jährlich, macht also pro Tier rund 8000 eliminierte potenzielle Landwirtschaftsschädlinge.

Eindeutig ist die umweltpolitischen Konklusio der Forscher: Statt dem Fledermaussterben in den USA tatenlos zuzusehen, müsse gehandelt werden. Das würde nicht nur den Tieren Leid ersparen, sondern auch der Landwirtschaft viel Geld. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 01.04.2011)