Im Entwurf des Budgetbegleitgesetzes 2003 sind, bedingt durch den EU-Verhaltenskodex zur Unternehmensbesteuerung, Änderungen der Besteuerung von internationalen Schachtelbeteiligungen vorgesehen. Die grundsätzliche Steuerbefreiung von Gewinnanteilen (Dividenden, GmbH-Gewinnanteilen etc.) - gleichsam der laufenden Erträge - aus ausländischen Tochtergesellschaften bleibt dabei erhalten. Die wesentliche Änderung betrifft die Substanz der Beteiligungen, nämlich die steuerliche Neutralstellung von Gewinnen und Verlusten aus der Veräußerung von Beteiligungen und von Abschreibungen auf die Beteiligung.

Veräußerungsgewinne unterlagen schon bisher nicht der Körperschaftsteuer und bleiben steuerneutral, Veräußerungsverluste wirkten bisher steuermindernd, werden aber nunmehr steuerneutral gestellt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, unwiderruflich auf die Steuerwirksamkeit sowohl von Veräußerungsgewinnen als auch -verlusten zu optieren. Verluste im Zuge der Liquidation der Auslandsgesellschaft wirken, gekürzt um Gewinnanteile der letzten fünf Jahre, jedenfalls steuermindernd.

Kleinere Modifikationen

Abgesehen von dieser großen Änderung wurden kleinere Modifikationen der "internationalen Schachtel" vorgenommen: Hinsichtlich der Beurteilung von steuerlichem Missbrauch wird die überwiegende Beteiligung von Ausländern an der Muttergesellschaft allein nicht mehr zur Widerlegung einer Missbrauchsvermutung ausreichen.

Neben den genannten Verschlechterungen findet sich im Entwurf auch für Konzerne Erfreuliches: Nunmehr werden auch nach ausländischem Recht gegründete Körperschaften, die in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig sind, als begünstigte Muttergesellschaften anerkannt. Schließlich werden das Mindestbeteiligungsausmaß von bisher 25 auf zehn Prozent gesenkt, alle Arten von Kapitalanteilen als Schachtelbeteiligungen anerkannt, die Behaltefrist von zwei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt und neben der unmittelbaren Beteiligung nunmehr auch die mittelbare Beteiligung an der Auslandsgesellschaft, etwa über eine Personengesellschaft, begünstigt.

Fazit ist, dass viele Unternehmen die Struktur ihrer Auslandstöchter revidieren müssen, um Mehraufwand an Körperschaftsteuer durch diese Änderungen zu vermeiden. Rauchende Köpfe in den Steuerabteilungen und bei den Beratern sind garantiert. (Peter-Michael Grau, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.5.2003)