Wien - Die Rede mit US-kritischen Bemerkungen des Künstlers Andre Heller am vergangenen Sonntag im Rahmen der Mauthausen-Gedenkfeier hat jetzt die Botschaft der Vereinigten Staaten in Wien auf den Plan gerufen. Diese Rede "war für viele Anwesende eine Verletzung des guten Geschmacks, wurde sie doch gehalten bei einer Trauerfeier, die in der Vergangenheit immer dem Gedenken an Tausende, die in Mauthausen gelitten haben und umgekommen sind, geweiht war", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Doppelmoral Heller hatte sich in seiner Rede mit dem Irak-Krieg auseinander gesetzt und festgestellt: "Die USA haben uns im Irak-Krieg gerade vor Augen geführt, wie das Maß aller Dinge die Maßlosigkeit ist und ihre gültigste Moral die Doppelmoral." Es seien die Amerikaner gewesen, die das Lager Mauthausen befreiten, "wir schulden auch Amerika unsere Freiheit, aber Freiheit bedeutet doch, dass man stets aufs Neue frei entscheiden kann, was man für richtig oder falsch hält, und Dankbarkeit gegenüber den Leistungen der USA unter den Regierungen von Roosevelt und Truman schließt nicht zwingend unreflektierte Gefolgschaft gegenüber George W. Bush und Donald Rumsfeld ein". Internationaler Frieden

Die Antwort der US-Botschaft in Wien: "Die Vereinigten Staaten sind stolz auf die Rolle, die die amerikanische Armee bei der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen gespielt hat. Ehemalige amerikanische Häftlinge und Befreier wohnten der Gedenkfeier bei, und zwar manche unter größten Schwierigkeiten. Ihr schmerzlicher Verlust und ihr Opfer und das vieler anderer Nationen sollten nicht durch politische Kritik verunstaltet werden, welche angesichts des Geistes der Erinnerung, der solch einer Veranstaltung innewohnen sollte, fehl am Platz ist. Wenn Veranstaltungen wie die in Mauthausen überhaupt eine politische Stellungnahme gestatten, dann ist es die Betonung der Verantwortung der Internationalen Gemeinschaft dafür, dass man Diktatoren Einhalt gebieten muss, bevor sie den internationalen Frieden gefährden und ihre Völker der Folter und Erniedrigung aussetzen."

Die Amerikanische Botschaft Wien erhebt nach eigenen Angaben keinen Einwand dagegen, "dass Herr Heller in einem öffentlichen Forum seine Meinung kundtut. Allerdings war dies der falsche Zeitpunkt und der falsche Ort." (APA)