Wien - Zu kräftigen Kapitalabflüssen ins Ausland führte bisher das in Österreich beliebte Fondssparen: Auf Grund der geringen Gewichtung österreichischer Werte in heimischen Investmentfonds "finanzieren wir gehörig das Ausland", wie es der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Ex-OMV-Chef Richard Schenz, ausdrückt. Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge soll in diesem Punkt Abhilfe schaffen: Während bei Investmentfonds der Anteil heimischer Titel laut Schenz bloß 1,5 Prozent beträgt, müssen bei Zukunftsvorsorge-Produkten zur Zeit 40 Prozent an der Wiener Börse veranlagt werden.

"Volkswirtschaftliches Problem

"Die Fondswirtschaft hat 70 Mrd. Euro aus Österreich in andere Länder gebracht", so Börsevorstand Stefan Zapotocky am Dienstag auf dem "Börsetag 2003 der Volksbanken-KAG". "Das wird irgendwann zum volkswirtschaftlichen Problem." Daher ist es sein erklärtes Ziel, abgesehen von den neuen Zukunftsvorsorge-Produkten auch herkömmliche heimische Fondsmanager verstärkt für Wien zu begeistern: Der Anteil österreichischer Aktien soll bis 2006 auf 5 Prozent gesteigert werden.

Börse spürt bereits höheres Handelsvolumen

Die neue Zukunftsvorsorge macht sich laut Zapotocky bereits im Handel an der Wiener Börse bemerkbar - die Umsätze seien "wieder gut geworden". "Jetzt kommt das Ganze massiv ins Rollen", ist Zapotocky überzeugt. "Es wird zu einer Steigerung der Inlandsnachfrage kommen", erwartet Schenz. Rund 400 Mio. Euro jährlich sollen so der Wiener Börse an zusätzlicher Nachfrage zufließen, das entspricht rund 1,3 Prozent der Prozent der Marktkapitalisierung oder 2,7 Prozent eines Jahresumsatzes an der Wiener Börse. Die Gesamtnachfrage sollte sogar noch stärker steigen: Es habe sich herausgestellt, dass eine starke Inlandsnachfrage auch ausländische Investoren anziehe. "Das wird dem österreichischen Kapitalmarkt einen Impuls geben", so Schenz, ohne dass er "gepusht wird, um dann wieder abzustürzen."

"Meilenstein"

Ein funktionierender Kapitalmarkt stärke die heimische Wirtschaft und schaffe dadurch Arbeitsplätze. Eine steigende Beschäftigung bewirke zudem eine Stärkung und Verbesserung des Umlageverfahrens, streicht Schenz hervor: "Das Produkt ist ein Meilenstein für die Absicherung der Pensionen und dient der Kapitalmarktförderung in einer sehr moderaten Weise." (APA)